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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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erwirbt sich in seinem Buch über Ludwig XIV . und XV. dasdoppelte Verdienst, den nationalen Götzen zu zertrümmern,um Friedrich dem Großen eine Apologie zu schreiben, der-gleichen unter allen deutschen Verherrlichungen nicht zufinden ist. Doch wir lassen nns von der Fülle nnd vonder Anziehungskraft des Stoffes zu lange festhalten undeilen, zu unserer Ausgabe zurückzukommen.

Es ist augenfällig, daß unter so bewandten Dingen dieRheingelüste bedeutend nachgelassen haben mußten, und daßvollends von Feindseligkeiten gegen Deutschland in den ge-bildeten Kreisen nicht die Rede sein konnte. Zwar fand derKrieg gegen Dänemark allgemeine Mißbilligung, doch meistaus Beweggründen, welche mit den nationalen Vorurteilennichts gemein hatten. Man betrachtete die Sache als Ge-waltmißbrauch des Starken gegen den Schwachen, und eswar sehr verzeihlich, wenn die Franzosen nicht verstanden,wie eine zn Hause in Fetzen zerrissene Nation im Namenihrer unteilbaren Einheit den Nachbar heimsuchen mochte.Dazu galt Dänemark für ein im Innern freies Land;Preußen und Österreich galten für Musterstaaten des Gegen-teils. Die Konflikte zwischen der Kammer und der Regie-rung in Preußen wurden mit großer Aufmerksamkeit ver-folgt, und natürlich war alle Welt eifrig auf Seiten derVolksvertretung.

Unter solchen Umständen trat die deutsche Krisis an dieöffentliche Meinung in Frankreich heran. Es ergab sich inder Parteinahme ein eigentümliches Resultat. Die Pressenämlich vertrat durchaus nicht die Ansicht der breiten Masse,und diejenigen Organe, weiche sich mit der Masse zusammen-fanden, waren solche, von welchen es ihrer besonderen Naturnach am wenigsten zu erwarten gestanden hätte. Die großeMenge war für Österreich , die bedeutende Majorität derBlätter für Preußen . Von letzteren natürlich alles, waszur Regierung nähere oder fernere Beziehungen unterhält,

Ludwig Bambergsr's Ges. Schriften. HI. 21