Druckschrift 
3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
Entstehung
Seite
322
Einzelbild herunterladen
 

322

sodann alle eifrigen Verbündeten Italiens . Diejenigen,die nicht von selbst diese Pflicht erkannt hatten, wurdenvon jenseits der Alpen so gewaltig mit Vorstellungen undLiebkosungen behandelt, daß sie sich nicht erwehren konnten.Die Italiener wußten, wo Barthel den Most holt, und siewarben mit Kreuz und Schwert für Bismarck . Endlichmuß man annehmen, daß das Berliner Preßbureau, demzu Hause so wenige Blätter widerstanden haben, auch seinenWeg über den Rhein gesunden und daß die Sache Preußensdieser Anstrengung einige sehr notable Anwälte verdankte.Das Weit're verschweig' ich, doch weiß es die Welt."In der gebildeten Gesellschaft begegnete man selten einemMann von selbständiger Denkweise, der nicht für Preußen gewesen wäre. Dieweil die oberflächliche Mehrzahl, sicheinfach ihrem Anstands- und Rechtsgefühl hingebend, inPreußen abstrakterweise den Rechts- und Friedensbrecherverdammte, erklärten feinere Köpfe, ebenfalls aus Ab-straktion, sich für Preußen , als das aufgeklärte und fort-schrittliche, gegen Österreich , das finstere und fluchbeladene.Für den eigentlichen Kernpunkt der Sache, für den an-gebahnten Weg der Vereinigung durch die unvermeidlicheZerstörung der Territoritalherrschaften, dafür hatten wederdie einen noch die anderen das richtige Verständnis, unddas machte hernach denen die Sache so leicht, welche gegenPreußen Hetzen wollten. Sie brauchten nur zu zeigen, unddas war sehr einfach, daß die preußischen Regierungen seitfünfzig Jahren in Deutschland nichts weniger dargestellthatten als das Prinzip der Freiheit. Sie brauchten nurdas Arsenal der unparteiischen Geschichte zu öffnen, um denAnhängern Bismarcks entgegenzurufen:Ihr vermeint mitPreußen gegen Österreich für Aufklärung, für protestantischeDenkfreiheit, für verbessertes Schulwesen, für die berühmtenunabhängigen Richter in Berlin , für selbständige Gemeindenzu kämpfen, da seht Euch einmal an, was die lebendige