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Wahrheit von diesem Regiment des Fortschritts und derBildung erzählt und vergleicht damit Eure Vorstellung!" —Des beklagenswerten Schnitzers, der nun zu guterletzt nochin Frankfurt gemacht wurde, wollen wir gar nicht einmalbesonders gedenken. Da kam mehr als ein Freund Preußensin Frankreich zu Falle, und das berüchtigte Wort Talley-rands bei der Erschießung des Herzogs von Enghien schwebteauf allen Lippen.
Ehe wir weiter gehen und beschreiben, wie auf all dasdie allerneueste Wendung der Dinge gekommen ist, gebietetuns die Pflicht, bei den eben beschriebenen eigentümlichenMeinungsschattierungen einen Augenblick stehen zu bleiben.Denn sie sind, wenn überhaupt für Machthaber und Sieges-trunkene etwas zu lernen ist, sehr beherzigenswert. Wirhaben uns mit aufrichtiger Vermeidung aller künstlichenArgumentation ganz objektiv au die Schilderung der Vor-gänge gehalten, die wir in nächster Nähe erlebt und mitder gespanntesten Aufmerksamkeit verfolgt haben, und dieLehre, welche sich unabweisbar aufdrängt, ist diese: Nichtnur in Deutschland, sondern noch viel mehr in Frankreich ist die Sache und die Partei des Freisinns die einzigenatürliche und nützliche Verbündete Preußeus. Wenn dasBerliner Kabinet Kundschafter hat, welche ihm ebenso genauund gewissenhaft über die Disposition der Geister in Frank-reich Rapport erstatten, wie sie es über die Dispositionenund Anstalten der Sachsen und Österreicher gethan haben,so kann ihm die Wahrnehmung nicht entgehen, daß dieöffentliche Meinung in Frankreich sich nur mit ihm ver-söhnen wird, wenn es Gesetz und Recht in Ehren hält.Oder wollte man behaupten, es sei gleichgiltig für uns, mitwelchen Empfinduugen diese benachbarte Nation auf Deutsch-land hiuschaut? Wollen wir uns darauf verlassen, daß einKaisertum, dem so viele angestammte und nenerwachseneRücksichten einen Rheinkrieg empfehlen, allzeit Ursache haben
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