— 324 —
wird, den ermunternden Zuruf der Nation zurückzuweisen?Wenn nicht, so haben wir auf das zu achten, was man inFrankreich von uns denkt, und dies umsomehr, als darausdieselbe Politik ersprießen muß, welche den deutschen Südenund überhaupt alles, was Lebenskraft hat, mit Preußenallein versöhnen kann. Nicht die Nachteulen, welche frommeLieder plärren, sind seine Verbündeten; diese möchten zwar,daß es mit Frankreich zum Kriege käme, und sie würdensich hinter den Fronten die Hände reichen mit ihren Ge-sinnungsgenossen von der bonrbonischen und pfäffischenPartei. Wenn die beiden Kulturvölker in offene Fehde ge-raten, dann ist Hoffnung, daß die Herren und Damen,welche einst dem König Franz von INeapel einen Ehrenschildgeschickt, das Unrecht wieder gut machen können, welches sieeben an den Hannoveranern und Nassauern verüben helfen.
Wohlverstanden: Wir sagen nicht, daß gekränkter Frei-sinn der einzige Grund der französischen Mißstimmung gegenPreußen sei, aber dieser Grund beraubt es seiner letzten undbesten Verbündeten. Gewiß ist gekränkte Eitelkeit sehr starkim Spiele. Das war namentlich aus dem schnellen Mei-nungsumschlag ersichtbar. Niemals hatte man so vernünftigund mäßig über Ländervergrößerung und Grenzkriege inFrankreich sprechen hören, als vor den Siegen in Böhmen .Die Leute gingen alle mehr oder minder von der Voraus-aussetzung aus, der eigentliche Urheber des Krieges sei ihrKaiser gewesen, ^er habe die Sache inspiriert noch mehr alsabgekartet, und da sie diesen Krieg für ein schädliches undungerechtes Unternehmen hielten, so wollten sie auch von ver-lockenden Vorteilen nichts wissen. Sie mißbilligten, daß derKaiser diese Verwicklung angezettelt habe, etwa um Saar-brücken oder das ganze linke Rheinufer oder sonst was zuerwerben, und es war eine Freude, sie über die Sinnlosig-keit solcher Gebietserweiterungen reden zu hören.
Nach Sadowa war alles wie verwandelt, und nun fing