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historischen Bewandnisse in dem Gesichtskreis eines jedenGebildeten liegen. Die Vorstellung in ihrer heutigen Be-deutung, aber ohne den Namen, kündigt sich zum erstenMal in Macchiavells „Fürst" an, und es ist um so merk-würdiger, daß der Name nicht mit der Auffassung zugleicherscheint, als der dem Autor vorschwebende Zeitgenosse zu-fällig ja selbst Cäsar Borgia hieß. Da tritt uns zum erstenMal jene Mischung von Genie und Frivolität entgegen,welcher der Politiker eine zugleich despotische und revo-lutionär nationale Sendung andichtet. Aber nicht einmalnach dem 18. Brumaire verfiel der Sinn der Gegner aufden Jdeengang einer Anknüpfung an die Analogie mit demSturz der römischen Republik, und der Begriff des Cäsaris-mus, wie er heute von Hand zu Hand geht, ist erst mit denAnzeichen des zweiten französischen Kaisertums in die Weltgekommen.
Romieu mit seiuem Buch „Die Ära der Cäsaren" gabden ersten Anstoß dazu. Romieu selbst war ganz der Mann,wie er uns in der Umgebung des merkwürdigen Römersgeschildert wird. Geistvoll, ausgelassen liederlich und ausVerachtung aller Grundsätze und alles Menschlichen nur andie Herrschaft der Gewalt und Intrigue glaubend. Mitseinem Buch „Das rote Gespenst" hatte er das Bürgertumin Schrecken gejagt und dann die Ära der Cäsaren draufgesetzt, als Rat und Rettung, wie man sich dem aufgeklärtenDespotismus in die Arme werfen müsse. Dem Parla-mentarismus entfliehen, weil er den Kommunismus imGefolge habe, und in die Hände Cäsars abdanken, das warder Grundgedanke. Dann wurde das Thema in der Ver-gleichung mit dem Sturz der römischen Republik ausge-arbeitet und nachgewiesen, wie zweitausend Jahre lang dieWelt, von Tacitus zum Narren gehalten, dem Cato dieschöne und dem Cäsar die verwerfliche Rolle zugeteilt hatte.