des Unglücks letzter Fluch, daß es stumpf wird gegen seineneigenen Stachel. Hundertjähriges Eleud hat uns dahin-gebracht, daß wir nicht fühlten, wie elend wir waren, hatuns taub gemacht, daß unverstanden der Ruf ans Ohrschlägt: Tretet heraus aus Eurer Nacht!
Diejenigen, welche das Maß verloren für ihr eigenesGeschick, sollten sich mahnen lassen von dem Urteilälterer Nationen, deren Blick geschürst worden durch Erleb-nisse eigener Größe nnd eigenen Falls! Niemand in ganzFrankreich , der nicht die Dinge bei uuS zu Haus für diegrößten der neuen Zeit erklärte! Selbst der Sturz desPapsttums hat dieses katholische Land unendlich wenigerausgeregt, als der Sturz Österreichs und der drei deutschenFürsten . Sie betrachten alles als so fertig, so überwunden,sie sehen so als unmöglich an, daß wir das Werk unvoll-endet sinken lassen — was sag ich? — daß wir es miß-trauisch selbst zerstören, daß sie bereits fragen: Was wirdnnn daS einige Deutschland zunächst beginnen? — Und sieantworten sofort: „Deutschland wird von uns daS Elsaß zurückfordern." — Vergeblich erwidert mau ihnen: „Friede,Freiheit, Eintracht!" Sie gehen weit genug zu glauben:Deutschland , geeinigt unter Einem Parlament, könne sichrasch zu solcher Herrlichkeit entwickeln, daß die seit zwei-hundert Jahren Frankreich einverleibten nnd mit ganzerSeele ihm anhangenden deutschen Provinzen sich möchtenznm Muttervolk hingezogen fühlen.
Wie könnten wir ihnen die Wahrheit gestehen? wiewollteil wir? Wer würde sie uno glauben? Geht doch hinnnd erzählt einem Franzosen: „Dies Deutschland , das Ihrfv groß und dränend fertig seht, hat erst noch seine bestenFreunde zu Hause zu gewinnen, ehe es dran denkt, überseine Grenzen zu gehen. Es hat nicht Zeit noch Lust fürdeu Elsasser. Der Hannoveraner, der Hesse, der Schwab,