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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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Blick und großem politischen Willen begabter Junker. DerUnterschied zwischen ihm und unser Einem besteht zuerstdarin, daß er eiu Mensch des praktischen Lebens in politi-schen Dingen ist und wir alle mehr oder weniger von Hausaus reine Theoretiker zu sein Pflege«. Wenn wir An-hänger der Freiheit und des Rechts sind, so kommt esdaher, daß wir sie mit unseren Schulbcgriffen, mit unserenersten Lehren, mit unserer allgemeinen Vorstellung in uuscingcsogen haben und daß wir nns vorsetzten, sie aus diesertheoretischen Überzeugung nach und nach ins Leben zu über-setzen. Bei Bismarck ist es gauz anders, in ihm war keineSpur von Sinn für uatiouale Entwicklung und allgemeinmenschliche, geschweige denn von freiheitlichem Berufe. Erwar ein Mensch des rein politischen Lebens, aber seineeigenen Konsequenzen haben ihn erzogen; er hat allmähligeinsehen lernen, welche große unentbehrliche Wichtigkeit,welche Lebenskraft in der freien, ungehemmten Entwicklungund in der uationalen Gestaltung eines Volkes wohnenkönnen. Ihn hat die Schule des Lebens dahin geführt,daß er den Wert und die Wichtigkeit von Dingen erkannte,für deren Bedeutung ihm früher das Auge verschlossen war.Ich weiß nicht, ob Sie es wissen, wie grell der Wider-spruch in der Überzeugung des Bismarck von heute uuddes Bismarck vor einigen Jahren ist. Auch er ist einervon den Leuten, denen man den Vorwnrf machen kann,daß sie ihre politische Überzeugung geändert haben. DieserMann, der heute Osterreich aus Deutschland hinausgedrängthat, der es als den wichtigsten Grundsatz seiner Politik er-klärt hat, daß Österreich den Schwerpunkt seiner Macht»ach Ungarn verlegen müsse, dieser Mann hat im Anfangder fünfziger Jahre noch in der preußischen Kammer er-klärt, Österreich sei die Stütze der deutschen Nation! Esist irrig und falsch, sagte er damals, zn behaupten,