Druckschrift 
4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
Entstehung
Seite
49
Einzelbild herunterladen
 

49

Auf alle Fälle können diejenigen, welche auf eineLösung dieser schwierigen Frage früher oder später hoffen,doch uur erwarten, daß dies auf dem Bodeu eines großenStaates geschehe. Der große Staat, den wir ansbanenwollen, giebt aber augenblicklich gerade den Beweis dafür,daß es ihm zum mindesten ernst ist mit der Absicht, den-jenigen Teil der sozialen Aufgabe iu's Werk zu setzen,welcher vom politischeu Gebiet aus heilsam auf die natio-nale Arbeit einzuwirken berufen ist, indem er die Fesselndes Verkehrs bricht und überall sich mit eben so viel Ein-sicht als Anstrengung der Hebung der wirtschaftlichenThätigkeit unseres Volkes widmet. Sind Sie aber mitLeistungen solcher Art nicht zufrieden, wollen Sie erst Heilerwarten von einer gänzlichen Umgestaltung der Grund-lagen unserer tausendjährigen Gesellschaft, so siud Sie dochgewiß mit mir darüber einig, daß die große Aufgabe, z. B.über das Erb- und Familien-Recht das letzte Wort mensch-licher Gesittung auszusprechen, nicht in der hessischen erstenKammer, nicht zwischen Seligenstadt nnd Bicdenkops gelöstwerden kann : daß sie nicht einmal von einer großen Nation,sondern nur im Bunde der gesitteten Nationen gelöst werdenkann. Wir aber treten in den Verkehr der gesittetenNationen nur dadurch, daß wir dein ganzen Deutschland angehören. Als Hesfen-Darmstädter können wir eine diplo-matische nnd völkerrechtliche Rolle höchstens auf die Artspielen, wie es vor kurzer Zeit unserem Minister-Präsi-denten beliebte, mit Ihrer Majestät der Königin Jsabellaeinen ?as äe vsux zn tanzen. (Heiterkeit.) Um wirksamTeil zu nehmen an der Entwicklung des großen Ganzen,können wir nur existiere», wenn wir selbst ein großesGanze bilden.

Ich komme nun zu jener Militärfrage, die man unsauch immer an den Kopf wirft. Ist es nicht Wahrheit,

kudwig Ramberger's Ges. Schriften. IV. ^