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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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daß wir uns jede politische Berechtigung absprechen, wennwir außerhalb jener Militärorganisation bestehen wollen,die Deutschland schützt? Glauben Sie, die normaleExistenz eines Staates sei die, gemäß welcher er znr Er-haltung seiner Nationalität nnter einem Schutz steht, inder Art, wie ihrer Zeit die freie Stadt Frankfurt auf derKriegsmacht ihrer LiuientruPPen bestand? Ist es richtig,daß unsere Sicherheit blos auf den Waffen eines anderendeutscheu Staates beruhe?

In einer geordneten Nation, die mit gleichen Rechtenuud gleichen Pflichten leben will, muß jeder Teil auch zurVerteidigung beitragen, und es ist nicht mehr als recht undbillig, daß jeder Deutsche und jedes deutsche Land dieLasten, welche im Augenblick noch durch die europäischenZustände über nns verhängt sind, mittrage. Diese Lastenzn beseitigen, ist die erste Aufgabe der ganzen gesittetenMenschheit, und sie wird auch von jetzt an nicht mehrunterlassen, an der Beseitigung jenes bewaffneten Friedenszu arbeiten, welcher die unerträglichste Last Europas ausmacht.

Noch aber müssen wir bewaffnet sein, denn wir könnenuns nicht darüber täuschen, daß uns täglich das Bedürfniseiner fremden Dynastie zum Spiclball ihrer Launen machenkann.

Ich stimme mit vielen Anhängern der vielverschrieenensog. natioualliberalen Partei nicht überein, die übermäßigesGewicht auf die Repräsentation der deutschen Macht nachAußen legen. Nein, mein Stolz wäre es nicht, die fremdenVolker dahin zu briugen, daß sie mehr Ehrfurcht vorunserer Macht nach außen, als vor der Größe und Frei-heit unserer inneren Entwicklung hätten. Aber wir dürfenuns deshalb nicht blind machen über Gefahren, die einmalda sind.