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Ich erinnere an Italien , wo eine so sehr begeisterteNation durch eine schlecht organisierte Armee nicht imstandewar, das zu leisten, was sie bei so großen, für die Her-stellung einer Kriegsmacht gebrachten Opfern erwartendurfte.
Wolleu wir ein Lissa, ein Custozza erleben? Nein,wir haben die Notwendigkeit erkannt, daß es besser ist, eineArmee zn besitzen, welche, wenn sie auch teuer ist, wenigstensihrem Zweck entspricht, als eine solche, die zwar etwaswohlfeiler ist, aber nichts taugt und so befehligt ist, daßam Ende des Feldzugs ihre Offiziere iu ihrer Verzweiflungsich eine Kugel vor den 5iopf schießen.
Wessen Schuld ist es, wenn in unserem Großherzog-tum die Diuge so lästig uud unbequem bei Einführung derneuen Einrichtungen gemacht wurden? Sie erinnern sich,welche Verzweiflung uud Ratlosigkeit unsere Mitbürgererfaßte, als es vor kurzem auf einmal hieß: man müssebinnen acht Tagen einen Einsteher finden oder dieuen. Istdas die Schuld der deutschen Militürorganisation oder dieSchuld unserer Negierung? Wessen Schuld ist es, wennauf einmal anf eine gar nicht zn begreifende Weise dieverwickeltsten Anordnungen binnen acht Tagen befolgt werdensollten, in solcher Weise, daß wir sehr gut wisfeu, daß dieeigenen Beamten der Negierung nicht wußten, wer Kochoder Kellner sei, überhaupt keinen Rat zu geben wußten,und daß der Minister selbst zn einem Beschwerdeführendensagte: „Gehen Sie hin nach Berlin zum Kriegsminister,wir können Ihnen nicht helfen!"
Das ist nnr die Folge jenes traurigem Znstandes,daß zwischen Berlin und Darmstadt die Akten wechseln,während wir uichts davou wissen; daß wir keine Vertreterbeim Norddeutscheu Reichstage haben, die in unserem Namenmitsprechen könnten. Die Regierung schickt ihre Boten
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