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nach Berlin , aber sie will nicht in den NorddeutschenBund eintreten, will nicht, daß wir Boten dahin schicken.Haben wir, im Grunde genommen, nicht ganz dasselbe er-lebt, als die Wahlen für das nvtorischcrmaßen zu MitteMärz tagen sollende Zollparlament bis zum letzten Augen-blick verschoben wurden! Das, was man längst wußte, eswurde über Hals und Kopf fertig gemacht, die Wähler-listen gezwungener Weise und ohne Schuld der städtischenBehörde mit einer UnVollständigkeit in der Eile angefertigt,von der ich Ihnen nur einen schlagenden Beweis gebennull. Heute zufällig erzählte mir der Beigeordnete desBürgermeisters, Herr Carl Racks, unter dessen Präsidiumwir hente die Ehre haben, versammelt zn sein, daß ihn,er weiß selbst nicht wie, die Lust auwaudelte, doch aucheinmal nachzusehen, ob er iu der Wählerliste stehe, undwisseu Sie: der Beigeordnete, welcher nach dem erstenBürger unserer Stadt kommt, stand nicht in der Wähler-liste vou Mainz ! (Lang andauernde Heiterkeit.)
Das siud die Zustände, in denen wir uus befinde»!
Sie sehen, wie es mit der Wählerordnung, mit derMilitärvrdnnng u. s. w. geht. — Uud wie soll's uoch sonstmit unserm armen Großherzogtum kommen? — Es ist hal-biert worden durch die Mainliuie, ciu Stück uach demNorden, eins gehört zum Süden, und nachdem es halbiert— erlauben Sie mir den Ausdruck — ist es auch nochkastriert worden, (Große Heiterkeit) da es seine selbständigeKriegsherrlichkeit verlor.
Was soll nun mit ihm geschehen?! — Ich nehme dasdemokratische Programm in die Hand und suche aus ihmeinen Aufschluß darüber zu erhalten, wie etwa die Zukunftunseres Kleinstaates außerhalb des deutscheu Bundes sichgestalten soll? Aber ich finde keinerlei Andeutung darüber,lind doch muß ich annehmen, daß jene Herren als ver-