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wünscht und dabei glaubt, er sei srei von Ehrgeiz, der irrtan sich selbst. Und ich glaube, daß es erlaubt ist, nachder Ehre zu dürsten, einer guten Sache mit Erfolg dienenzu können; und den Ehrgeiz, aus dem Vertrauen seinerMitbürger Vertrauen in sich selbst und dadurch Spornund Spannkrast zu nützlicher Thätigkeit zu gewinnen —diesen Ehrgeiz, ich besitze ihn! (Stürmischer Beifall) undich will hinzusetzen, daß ich deswegen nicht mich eitlerSelbstüberschätzung hingebe.
Meine Freunde! — Ich appelliere an das Herz undden Verstand eines jeden redlichen und denkenden Menschen,und frage ihn, ob je ein Feind, ein Verkleinerer ihn mitbittern Anklagen so sehr gedemütigt hat, wie er sich selbstdemütigt, wenn er in der Stille seines Kämmerleins sichausforscht und mit sich zu Gericht geht? Daß ich meineganze Unzulänglichkeit bei dem Gedanken der Teilnahmean einer solchen Aufgabe, wie die Lösung der gemeinsamengroßen politischen Angelegenheiten unseres Vaterlandesfühle — glauben Sie doch, m. H.! daß, wenn man mirdiese Bescheidenheit zutraut, Jhneu dafür schon Bürgschaftsein kann die langjährige Erfahrung, die ich in der Welt,in großen Verhältnissen gemacht habe, und die mich vorder Thorheit sattsam bewahrt, zu glauben, ich sei berufen,wenn es mir gelingt, zur Ehre Ihrer Vertretung zukommen — ich sei berufen, vor dem gesamten Deutschland und in Berlin vor den Vertretern der Nation eine Rollezu spielen. Wer die Ueberzeugung von seinem Ruhme uudseiner Größe zwischen Darmstadt nnd Mainz gepflegt hat,kann dieser Illusion sich hingeben; wer aber, wie ich, inhalb Europa arbeitend gelebt und die Bewegungen großerVölker mit durchgemacht uud das Glück hat, viele der bestenMänner aus den strebenden Parteien großer Staaten zuseinen Freunden zu zählen und inne geworden zu sein,