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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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stimmten und die dahin formuliert ist: wir wollen garnicht wählen.

Die Verzichtleistuug auf die Teilnahme an denpolitischeu Angelegeuheiteu Norddeutschlands seitens desallgemeinen Stimmrechts ist auch nichts anderes als eineBefolgung der verurteilten Enthaltuugsmethodc. Gestehtes also ein, wenn Ihr es aufgebt, uns auf dem parlamen-tarischen Wege zu einigen.

Legt die Hände in den Schoß, und sagt: wir wollengar nichts thun, wir verzweifeln am Vaterlande!

Was Ihr uns bietet, es ist ein berauschendes Mittel,gebraut aus schönen Redensarteu, mit denen Ihr unswieder in den Schlaf lullen würdet; der Becher, den Ihruns reicht, enthält oben leeren Schaum, uuten verderblichesGift! Man hat uus oft gesagt, daß eine bedauerlicheSpaltung in der liberalen Partei sei, aber ich eigne mirdas andere Wort an, das ebenfalls schon gefallen ist: Esgeht eine Reinigung der liberalen Partei vor sich. Aufder gegnerischen Seite stehen die unehrlichen, trüben undeinsichtslosen Elemente, stehen, als die Besten noch, die-jenigen, die nicht wissen, was sie wollen, uud sich begnügenmit dem Gedanken an das Unerreichbare, ohne Verständnisfür das Wohl und Wehe des Vaterlandes. Nein, meineHerren! das ist (sich unterbrechend) nnr noch eineinziges Wort, ich muß zum Schlüsse eileu! Man wirftuns vor, mir vor, es berge diese Kandidatur nichts alsden Wunsch, mit der Ehre Ihrer Vertretung bedacht zuwerden, es sei nur Ehrgeiz damit verbundeu. MeineHerren! Ich will heute alles berühren uud will zumSchlüsse auch dieseu Punkt berühren.

Wer, der einmal ernstlich in die Brust greift, kannsagen: ich bin frei von Ehrgeiz? Wer vor seinem Volkean wichtigen Angelegenheiten der Nation teil zu uehmen