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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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wie sie so verbissen giftig drcinblickcu, das steht ihnen ganzvvrtrefslich. Als vorsichtiger Politiker sollte ich meineFeinde nie anerkennen, allein ich denke, jene lesen ja unserebettelpreußischen" Zeitungen ebensowenig, wie wir ihrepreußeufrcsserischen, und sie werden es ebensowenig erfahren,wenn ich sie einmal lobe, wie ich es erfahre, wenn sie ausmich schimpfen. Immerhin konnten selbst die trutzigstenGesichter dieser Württemberger nicht den Eindruck zerstören,welchen das Zusammentreffen der Vertreter ans alle»Teilen Teutschlands ans jeden Menschen mit geradem Sinnhervorbringen mußte. Es war doch einmal etwas merk-würdiges, etwas zu merkwürdiges, um gauz unfruchtbarund erfolglos zu bleiben: daß znm erstenmal überhaupt dieAbgeordneten des deutschen Volks in der größten Stadtdes größten deutschen Reichs zusammentraten und damitden Grundstein zu einer künftigen Hauptstadt des künftigendeutschen Staates wie zur künftigen Gesamtvertretnng derkünftigen Nation legten (denn sehr im Beginnen undim Werden ist ja das alles noch,, das fühlt man nirgendsso deutlich als bei dieser ersten Begegnung); - - und trotzallem Schimpfen nnd Poltern sprang es jedem in dieAngen, daß hier das zerrissene Band zwischen Einst undJetzt, zwischen Frankfurt und Berlin , zwischen 1848 und1868 wieder angeknüpft sei. In solche Stimmung sielnun die Eröffnung des Parlaments mit ihrem ganzenäußeren Pomp. Hatte man sich vorher die Köpfe mitgroßen Ideen etwas erwärmt, uud war auch die Feierlich-keit und die Großartigkeit des gesamten Schauspiels dazuangethan, eiuer gehobenen Stimmung zu entsprechen, sowar doch auch dafür gesorgt, daß unser Einer nicht schondie Ankunft des tausendjährigen Reichs uud die Erfüllungseiner frömmsten Wünsche hereinbrechen sah. Denn derhvsische Glitz nnd Glanz, der ans allen Ecken nnd Enden