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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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hervorstrotzte und sich ganz selbstverständlich breit machte,wird wohl auch den zahmsten Bolksfreuud daran gemahnthaben, daß in diesem weißen Schtoßsaale so recht eigent-lich die deutsche Nation noch nicht bei sich zu Hause sei.Die Kammerherren mit den goldbeladenen Röcken und demsilbernen Schlüssel am blauen Bande just an der Stelle,wo bei uns die Stabsärzte der Ranzengarde zur Faschings-zeit ein gewisses Instrument zu tragen Pflegen, sahen mitihren glatten, gewichsten und gestrichenen Kvpseu garnichtso aus, als ob sie ebeu das Bedürfnis fühlten, die Psvrteneiner großen demokratischen Zukuuft aufzuthnn. Aber mankonnte sich zum Troste auch sagen, daß, wenn es von diesenhöflichen Herren abgehangen, überhaupt niemals ein deutschesParlament nach Berlin wäre berufen worden; nnd so wenigsie die Wege der jüngsten Vergangenheit abzusperren ver-mvchteu, so wenig werden sie es mit den Wegen der Zu-kunft vermögen. Übrigens denken sich Leute, welche amSitze eines fürstlichen Hofes aufgewachsen sind, bei derGewährung des höfischen Schnick-Schnacks viel weniger alsunser einer, der, nicht au den Anblick des Zeremoniels ge-wöhnt, in seiner verstandesmäßigcn und gleichheitliebeudeuEmpfindung von all dem Apparat verletzt wird, der ihn,wie so manches andere im Leben, an den zwischen den An-forderungen der geläuterten Vernunft und den überkommenen,tief eiugewurzelteu Formen aller Art von Götzendienersobwaltenden Unterschied erinnert. Die Tronrede selbstfanden die einen farblos, die andern fein uud wvhlberechnet,noch andere endlich stark und bedeutsam. Jedenfalls hatsich einmal das Königtum noch vor der Majorität des Zoll-Parlaments ausgezeichnet, deuu es hat doch gewagt, vomnationalen Gedanken" und von der künftigen Aufgabe,von Krieg und Frieden, von Deutschland und Osterreich zu sprechen, lauter Dinge, aus welche die Erwählten des