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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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land gesetzt (es giebt nämlich anch Schwaben aus andernLandern hier, namentlich aus Pommern und Sachsen).Wir vertrugen uus ganz gut mit einander nnd verdarbenuns den Appetit gegenseitig nicht im allergeringsten. DasEssen war kurz nnd gut, anch durste es nicht zu auser-lesen sein, damit eS nicht aussehe, als wollte man dieHerzen der Abgeordneten von innen aus durch den Magenbeeinflussen. So schön wie das Fest, welches mir an dem-selben Abend die hier wohnenden Mainzer gaben, konntees natürlich nicht sein, wenigstens konnte es mir nicht soschön vvrkommen. Das merkwürdige an letzterer Sachewar, daß ungefähr dreißig Mainzer Kinder beisammenwaren, lauter enragierte Norddeutsche, welche ein kurzerAufenthalt in Berlin dazu gemacht hatte; das bestätigtemir, was ich immer bei den Wahlen gesagt hatte: ich rieteder großhcrzoglichen Regierung, sie sollte lieber mich alseinen ihrer Anhänger nach Berlin wählen lassen, denn eingut hessisch Gesinnter würde vvu Berlin stark abgefärbtzurückkommeu, während doch an mir nichts mehr zu ver-derben sei. Den Bericht, welchen dieMainzer Zeitung"über das Fest unserer Landsleute gegeben, bitte ich Sienicht zu wörtlich zu nehmen. Es war von seiten des Be-richterstatters mehr guter Wille als Geschick dabei; daß ichz. B. so dumm sei, vou mir als einemStaatsmann" zusprechen, wie der Berichterstatter sagt, das wird hoffentlichniemand geglaubt haben. Er verwechselte wahrscheinlich iumeinen Betrachtungen den Staatswein, den man uns kre-denzte, mit dem Staatsmann.

Es war spät in der Nacht, als wir heim gingen undein schwerer Tag gewesen. Erst beim König im Schloßzu Mittag und gleich darauf bei dem Mainzer GastwirtKleinfelder in der kleinen Manerstrasze zu Nacht gegessen,