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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
Entstehung
Seite
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Tagen, da man sich noch so wenig gegenseitig einanderverstand und aufeinander eingeschult hatte. Ich beharredabei zn denken: die Mehrheit der Zoll-Parlaments-Mit-glieder wollte wenigstens annähernd so etwas wie eineAdresse (man müßte ja sonst annehmen, der König vonPreußen sei am Ende noch fortschrittlicher als die Mehr-heit der Deutschen, da er doch die Kourage gehabt hat,eine Adresse an sie zn richten); aber als zn der AdresseVorwärts marsch!" geblasen wurde, da saud sich dieMajorität noch so schlecht aus einander exerziert, daß dieeinen im Trab vvranliefe», während die andern sich be-sinnend stillstanden, so daß damit auch die Hanvttrnppein der Mitte in Unordnung geriet und der gemeinsameFeind Zeit und Platz fand, alles in einen dummen Tumultaufzulösen. Wie ich später mit unserer Weinsrage kam,hatte man sich schon etwas besser ans einander eingeübt,und die Nichtwoller suchten uns vergebens von vorn undvon hinten ans einander zn locken. Jenes erstemal waraber der Versuch ins Wasser gefallen, vor Deutschland undder Welt aktenmäßig festzustellen, daß das Zoll-Parlamentsich als eine politische und dereinst zn größeren Dingenberufene Vertretung des deutschen Volkes betrachte. Vielevon uus waren sehr niedergeschlagen darob, und leugnenließ sich ja nicht: alle schadensrohen Widersacher innerhalbnnd außerhalb unserer Grenzen mußten sich dadurch er-mutigt sehen. Mag man immer sagen:Worte sind dochnur Worte!" Worte sind aber anch ausgesprochene Ge-danken, nnd ohne zu denken, kann man nicht wollen, undohne zu wollen, kann mau nicht handeln. Nur die, welcheder Gedankenlosigkeit der Nationen huldigen, bemühen sichden sogenannten Parlamentarismus iu Verrus zn bringen.Aber war es auch schlimm, daß gewissermaßen die Ver-sammlung beim Eintritt in ihr Beratungshaus sich das