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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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Recht auf ein höheres Leben selbstschweigend abgesagt hatte,sv giebt es doch noch etwas schlimmeres! das ist Ent-mutigung. Selbst ein armer, einzelner, schwacher Menschkann nichts thörichteres thun, als sich vou einem wider-wärtigen Erlebnis niederschlagen lassen, lind nun gar ersteine Gesamtheit, welche die Aufgabe hat, eine unsterblicheNation zu vertrete»!

Darum rief ich auch immerfort dem und jenein meinerFreunde zu, welcher mit verdrossener Miene nach dem Fallder Adresse herumging-, sursuin coräa! Immer nnr vonneuem den guten Humor und das Pertrauen in seineSache herausgeholt! Und bei jeder unangenehmen Erfahrungsofort als ersten Gedanken zu setzen sich angewöhnt:Wielerne ich was daraus"? Auch mir hatte die Adreßver-hnndluug dazu gedient, eine kleine Lehre zu empfangenund zu beuutzeu und zwar folgcndergestalt. Es ist gut,daß ich Ihnen diese Geschichte erzähle, Sie werden auchwas daraus lernen. Wie es so hieß, wir wollen eineAdresse machen, setzte ich mich hin nnd dachte auch meinenSenf dazu zu geben. Man war unseren Wahlbewegnngenin Mainz nämlich von hier aus mit der gespanntestenAufmerksamkeit gefolgt; man hatte mit dem lebhaftestenInteresse den Kampf beobachtet, welcheu unsere freisinnigenWähler gegen die bekannte dreifache Allianz mit soheroischer Kraftanstrengung durchsochten, und Politiker allerSchattierungeu, der gemäßigtsten wie der heißesten Fvrt-schrittszone, haben mich unzählige Male versichert: über keiueuWahlsieg fei eine so helle und volle Freude ausgebrochen,als über den unsrigcn. Das hatte nun zur Wirkung, daßman Ihren Abgeordneten mit der Zärtlichkeit empfing,welche Eltern solchen Kindern widmen, die sie trotz einerschwächlichen Körperbeschaffenheit groß gezogen haben. Undweil man mir sv liebenswürdig und wohlwollend entgegen-