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grimmige Widerstandsfähigkeit und Widerstandsentschlossen-heit zeige. Da man nun in höher hinaufsteigenden Regi-onen auch viele Personen findet, welche diese Überzeugungteilen, so fürchteten unsere Freunde für unpolitische, Zeitund Umstände mißkenneude Menschen gehalten zu werdenund damit sich weiteren Einfluß auf die herrschenden An-schauungen zu nehmen, wenn fie mit meiner Friedens-phantasie an den Tag kämen, welche denn auch sofort ohneSang und Klang begraben wurde. Es giebt sogar vieleLente hier, die deuten, ein Krieg mit Frankreich sei amEnde ein so großes Unglück nicht, weil es das sichersteMittel sei, die deutsche Einheit herzustellen. Aber dieFreunde dieses höchst zweiselhasteu uud allzu heroischenMittels sind wenigstens unter den freisinnigen Parteiensehr düuu gesät und an dem Grafen Bismarck haben solcheEinheitsmacher um den Weltfriedenspreis mich einen ganzentschiedenen Gegner. Man weiß es hier ganz bestimmt— und es ist das eine höchst wissenswerte Thatsache —daß der preußische Premier-Minister gegen einen Krieg mitFrankreich eine ganz grundsätzliche Abneigung hat, weil erihn für eine nicht genng zn beklagende Kulturstörnug hält,weil er die Ansicht hat, daß ein noch so glänzender Siegdoch nnr mit den größten Opfern erkanst werden könnte,und daß eine noch so harte Niederlage das französischeVolk nur dahin führen würde, eifersüchtiger als vorher aufDeutschland zu werden nnd nach einein ersten verlorenenFeldzng alsbald einen zweiten zn versuchen. Es giebt vieleLente hier, die behaupten, Bismarck habe zwei große Fehlerbegangen, einmal als er in Nikolsburg lieber die Main-liuie angenommen, als sich in einen >.lrieg mit Frankreich verwickelt habe, zum andern als er bei der LuxemburgerFrage nicht losbrach, weil damals Prenßen in Rüstungenuud Armee-Organisation Frankreich so weit voraus gewesen