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wäre. Allein ich denke, diese zwei Fehler — wenn essolche wären — gereichen ihm jedenfalls zu größerer Ehreals die geschicktesten Kunstgriffe, und ich glaube auch nicht,daß es salsch ist, wenn Herr v. Bismarck dem Grundsatzhuldigt: ein Krieg zwischen den beiden Völkern sei diegrößte aller uns drohenden Kalamitäten nnd so lange nichtmathematisch bewiesen sei, daß dieser Krieg ans alle Füllekommen müsse, so lange sei die erste aller Pflichten, ihnzu vermeiden und der Zeit den Spielraum zu lassen,Europa von den Zuständen zu befreien, welche dermaleneine solche Gefahr im Schoße bergen. Ich bin damitscheinbar weit von dem Adreßprojekt abgekommen, aber dadie große Politik eigentlich als Hauptsache zwischen denZeilen dieses Aktenstücks einherlief, so bin ich eigentlich„bei der Sache." (Sie werden wohl schon aus den Par-lamentsberichten gemerkt haben, daß ich mir einige badischcund bayrische Ultramontanc persönlich attachiert habe,welche mich von Zeit zu Zeit zu Exkursionen in die deutsche Politik ermuntern, indem sie mir znrufen: „zur Sache!"um mir zu zeigeu, daß ich auf die rechte Fährte gekommenbin.) Es wird Ihnen nicht uninteressant gewesen sein, znhören, daß, trotzdem man hier Friedensdemonstrationen nichtmit zu viel Nachdruck behandelt sehen will, trotzdem manauch stellenweise aus oratorischem Bedürfnis einmal dieHand ans den Degengriff legt, doch der erste Mann in derdeutschen Politik über die Gefahr eines Zerwürfnisfeszwischen Deutschland uud Frankreich der humansten An-schauung mit Bewußtsein ergeben ist.
Das definitive Adreßprojekt, welches schließlich vonder nationalliberalen Fraktion angenommen wurde, vermiedalle irgendwie starken Töne uud ging in seiner Fassungjust nnr um so viel weiter in der Erwähnung der natio-nalen Ziele, wie ein Bolkshans weiter gehen mnß als eine