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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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kammer deutscher Schattenspielerei? Ganz wohl, IhrHerren. Aber zweierlei bitten wir geneigtest zu bedenken.

Zunächst, wenn denn alles so eitel ist, was blos alsWort und Wunsch von Mund zu Munde geht, warumdenn, werte Herren und Gegner, habt Ihr so mächtigtriumphiert, und mit Euch im unzertrennlichen Bunde alleausländischen Neider, damals als unser bescheidenes Adreß-projekt zu Boden fiel? Wenn Ihr Euch wohl bewußt wart,warum es galt, so lustig zu applaudieren, damals als unsversagt wurde, unseren Herzensgedanken einen solennenAusdruck zu geben, so gestattet uns auch jetzt die Freude,daß es nns dennoch schließlich gelang, der Stimme desGewissens ihre Bahn zu brechen. Wenn Ihr damalswußtet, warnm es Euch so sehr darauf ankam, uns denMnnd schließen zu lasfeu mit dem vornehmen EinWurf:Ein garstig Lied, Pfui, ein politisch Lied! so möget Ihrauch jetztmals verstehen, warum wir uns des Jubelsfreuen, der aus Millionen Kehlen dennoch in dies politischeLied mit uns ansbricht. Euch und Euren Freunden (?v8arois Iss ölliisini8) klingt der Ton freilich sehr fatal, undganz recht habt Ihr damit. Dies bringt mich auf meinezweite Betrachtung.

Bisher waren die deutschen Demonstrationen Seelenohne Leiber (auch das Wiener Bundesschießen wird trotzoder wegen allem Spektakel solch eine leiblose Seele sein,weshalb denn auch alles bunte Jrrgelichter des heiligenrömischen Schattenreiches dahin aufzubrechen begriffen ist).Umgekehrt war das Zoll-Parlament, wenn es gelang, ihmdas politische Lebenslicht auszublasen, ein Körper ohneS?cle. Aus diesem Grunde hatte das demonstrative Ele-ment in unserem gegenwärtigen Fall einen ganz besonderenBerns. Es handelte sich ja nicht darum, erst etwas indie Sache hinein zu deuten, sondern umgekehrt, aus ihr