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großen Westindienfahrer zn Tische säße. In solchen Mo-menten, da einem keine Zuhörerschaft zerstreut, kann manja derlei Dinge stets am besten. Und nichts ist dem seligenSimulieren so hold, wie eine einsame Eisenbahnfahrt, ge-leitet vom Scheidegrnß der sinkenden Sonne und deinAbschiedsnicken der jung ausgeschlossenen Aehren am Wege;zumal wenn man eben dem Tumult einer laut bewegtenMenge entrückt ist. Da kann es leicht auch dem Nüchternenpassieren, daß er die Tiuge etwas zu abeudrötlich ver-goldet anschnnt und das unermeßliche Feld schwerer Zu-knuftsprobleme aus dem Auge verliert. Aber so gute Mo-mente dauern heilsamer Weise auch uicht länger als eineDämmerstunde. Dann sorgt die rauhe Wirklichkeit schonwieder für die Herstellung des europäischen Gleichgewichtsin der Empfindung eines hesfendarmstädtischen Unterthanen.Wie ich an den Ort meiner Bestimmung im Westphälischenankam, fiel ich in eine Schaar von Philistern hinein, diemit ihrer Begeisterung die meiuige sosort auslöschten.Nichts bringt den Enthusiasmus so urplötzlich zum Stehen,wie weuu eiu paar wollene und baumwollene Strnmps-weberseelen ihn überbieten. Auch diesmal bewährte sichan mir dies homöopathische Rezept. — „Nein!" — riefeiner dieser grundkvnservativen erzloyalen Herren mir ent-gegen, — „Nein! dieser Graf Bismarck! ist das ein großerManu! War das eine große Idee! diese Süddeutschen nachKiel und Hamburg zu sühreu und ihnen zu zeigen, wasNvrddeutschlands Natur und Cultur vermag! Welch einGeniestreich!" „Aber um Gotteswilleu, mein Ver-ehrtester" (nnd in der Diese meines Herzeus bedachte ichihn mit einer ganz anderen Titulatur), unterbrach ich ihnim Strom seiner Extase, „wie denken Sie sich denu soeiueu „Süddeutschen?" Meinen Sie vielleicht, die Pro-fessoren, Advokaten, Fabrikanten und Kaufleute aus Württem-