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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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Folgen alsbald. Der gefährliche Ton der Unterscheidungzwischen Nord und Süd sand von jenem Augenblick an imSchoße der preußischen Regierung weniger Ermunterungals bis dahin; denn diese war es, beiläufig gesagt, immer-hin gewesen, die wahrscheinlich in der Adreßfrage den ver-ueiucuden Ausschlag gegeben hatte : sie mußte aber auchbei dem gefährlichen Gang, den die Tabaksfrage unter derFortdauer dieser falschen Eingebung, genommen hatte, innegeworden sein, daß es an der Zeit war, Einhalt zu thnuund im Laufe der Diuge eiue nationale Wendung zu be-günstigen. Bereits hatten sich die svnderbündlerischen Ele-mente, von jenen ersten Hätscheleien ermuntert, so sehr aus-gebläht, daß sie iu allen Sachen das allein Maßgebendezn sein beanspruchten. Dieser Übermut von der einen, diebessere Erkenntnis von der anderen Seite, führten diedenkwürdige Entscheidung des 18. Mai herbei, an welchemunsere alte Jammerklage über die Trank- nnd Zapfgebnhrdie Ehre hatte, zn einer Angelegenheit von nationaler Be-deutung zu werden. Am Abend des 17. war mein Antrags

*) Der Antrag in semer scheinbar unbedeutenden und unschuldigenFassung sollte zu der stürmischsten und interessantesten Sitzung derganzen Session führen. Er lautete:

Das Zollparlament möge beschließen, den Bundesrat des Zoll'Parlaments zu ersuchen, dahin zu wirken, das; den Beschwerden ab-geholfen werde, zu welchen im Großherzogtum Hessen das Zusammen-treffen der herabgesetzten Wcinzölle mit dem bestellenden System derindirekten Abgaben Anlaß giebt."

Der Antrag war von mir allein gestellt und von meinem darm-städtischen Kollegen Metz an erster Stelle, sowie von hervorragendenMitgliedern der Partei, z. V. Forckeubeck, Laster, Twesten, Miauei,Stevhani, unterstützt. Die äußere Veranlassung gab der Umstand, daßin dem Handelsvertrag mit Österreich , welcher den Kern der Sessions--Verhandlungen bildete/der Zoll auf Wein bedeutend herabgesetzt wurde,während anderseits in Hessen-Darmstadt eine hohe indirekte Abgabeauf dem Wein lastete. Der Zollvereinsvertrag hatte vorgesehen/daßzwischen Zöllen und inneren Abgaben ein gewisses Verhältnis ein-gehalten werden sollte. Mein Antrag stützte sich darauf, daß dies Ver-hältnis, wenn auch nicht formal, doch seiner Absicht nach verletzt sei.Ich hatte vorausgesehen, daß er den Gegnern einer unitarischcn