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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
Entstehung
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V.

Aachen , den 15. Juni 18K8.Geehrte Herren!

Man hat gut sagen: das Ausland soll sich nicht inunsere innere, deutschen Angelegenheiten mischen. Giebt esdarum irgendwo einen sachverständigen Menschen, welcherglaubt, das Ausland oder, nm das Kind bei seinem Namenzu nennen, Frankreich , sei seit zwei Jahren auch mir einenAugenblick ohne allen Einfluß auf das Verhalten der deut-schen Regierungen gewesen, der größten wie der kleinsten?Man hat auch gut sagen: keinerlei Furcht noch Gefahr solleeingreifen iu unsere Entschlüsse. Werden wir darum zuleugnen unternehmen, daß ein Krieg mit Frankreich un-berechenbare Leiden mit sich führen müsse? Oder werdenwir ausrufen wie jener Philosoph:Schmerz, Schmerz, ichgebe dir nicht zu, daß du ein Übel seist?" Werden wirvielmehr auch nicht in diesem Fall nach der allgemeinenKlugheitsregel zu handeln suchen, indem wir prüfen, ob einstilles Nachgeben nicht ein kleineres Übel sei, als der Ans-bruch eines großen Völkerkrieges? Ein stilles Nachgeben,sage ich, denn hat sich einmal der öffentliche Ehrenpunktins Spiel gemischt, so hört ja alles Vergleichen mit anderenGütern auf. Aber bis zu dem Augenblick, ,da diese un-