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erbittliche Notwendigkeit in ihre Rechte tritt, ist auch fürdiese Frage die Berechnung entscheidend, welches von zweimöglichen Übeln das kleinere sei; und die Spuren der Ein-wirkung solcher Rechnungsweise lassen sich bis auf dieletzten Tage in der Leitung der deutschen Politik erkennen.Wenn man in kritischen Zeitläuften seine Aufmerksamkeitnicht ausschließlich dem Mittelpunkt der Ereignisse zuwendet,sondern ab und zu dieselben bald von innen heraus undbald wieder von außen hinein beobachtet, wie ich es seitmehreren Jahren gethan habe, so wird Einein die Wahr-nehmung der Wechselwirkungen zwischen der Haltung derKabinette uud der Stimmung der Nationen erleichtert; ichglaube mich nicht zu irren, wenn ich das Resultat meinerneuesten Umschau dahin formuliere, daß auch die Vorgängeim Zoll-Parlamente ihre Richtuug eiu wenig anders ge-nommen hätten, wenn nicht die in Frankreich zur Geltungkommende Auffassuugsweise der Dinge einen fühlbarenDruck auf uusere inneren Angelegenheiten zu jeder Zeitausübte. Die Gegenprobe bietet sich im Augenblicke von selbstin dem Aufschwung des Sicherheitsgefühls, dem sich dieGeschäftswelt plötzlich überläßt, uud welches zwar zum Teildem Erutesegeu, aber iu viel stärkerem Verhältnis demharmlosen Verlauf des Zoll-Parlaments zugeschrieben wer-den muß.
Bei der Feststellung einer solchen Wechselwirknug istes unmöglich, sich zu verbergen, wie schädlich eine von unsselbst als zu recht bestehend anerkannte Spaltung zwischenNord nud Süd aus die Meinung des Auslandes und da-durch wieder auf unsere eigenen Schicksale Einfluß übeumuß. Aus diesem Gründe habe ich am Ende meines vor-hergehenden Briefes darauf hingewiesen, daß wir die innerenSchwierigkeiten unserer Lage vermehren, indem wir infeierlichen Versammlungen nnter den Augen des Nachbars