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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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die Befugnis der Nation durch Majoritäisbeschluß über ihrGesamtschicksal zu entscheiden in Zweifel ziehen. ManchEiner würde mich in diesem Punkte nicht der übertriebenenUnduldsamkeit zeihen, wenn ihn seine Erfahrung daran ge-wöhnt hätte, die Aussprüche, welche bei uns zu Hause inder Öffentlichkeit ergehen, sich auch sofort in der fremdenÜbersetzung mit dem entsprechenden Kommentar vorzustellen:wenn er mit Lebhaftigkeit einpfände, wie die zwischen Deut-schen gewechselten Worte von Fremden ausgegriffen und alsvergiftete Waffen gegen uns gekehrt werden. Wer begierigist, diesen Zusammenhang näher kennen zu lernen, der lesez. B. eine zeitlang das in Luxemburg iu französischerSprache erscheinende Blatt l'^vövir, dieZukunft", welchesmit oder ohne Absicht den Namen einer ihm wohlgefälligendeutscheu Zeitung sich zugelegt hat. Das Blatt wurde be-kanntlich vvn der sranzösisch-katholischen Annexiousparteigegründet, welche neulich durch nächtliche Maueranschlägezu einem Putsch aufries, damit die Franzosen eiueu Vor-waud zum Einmarschieren bekämen. Eine Nummer dieses^.vöinr" war jüngst aus drei großen, drei verschiedenendeutschen Zeitungen entnommenen Aufsätzen zusammen-gestellt. Den Leitartikel bildete eine Übersetzung aus derDemokratischen Korrespondenz". Dann folgte als Mittel-stück eiu Abschnitt aus deinBeobachter", nnd den Schlußbildete eine Übertragung aus derFrankfurter Zeituug".In diesen drei Leistungen hatte die Redaktion alles ver-einigt gefunden, wonach ihr Herz nur begehreu konnte, umdie Bevölkerung von Luxemburg gegeu Deutschland aufzu-stacheln und zur Sehnsucht nach der Einverleibung in dasfranzösische Kaiserreich zu begeistern. Deutsche Radikalehatten dem französischen Emissär nicht blos die Mühe desSchriftstellerns erspart, sondern sie dienten ihm auch alsklassische Zeugen für die Vortrefflichkeit seiner Politik. Die