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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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Ironie des Schicksals will, daß gerade dieselben deutschenBlätter es sind, welche Preußen den Abzug aus derFestung als Landesverrat vorwarfen. Wenn dergleichenErscheinungen nichts Befremdliches mehr für uns haben, sosollten sie uns doch als Warnung dienen, daß wir nicht inaller Unschuld ihnen selbst noch Nahrung zutragen, wie diesgeschah, als man im Zoll-Parlament ein südliches Selbst-bestimmungsrecht im Gegensatz znm Entscheidungsrecht derganzen Nation anzuerkenueu Miene machte. Wie dürfenwir uns nach solchen Borgängen noch wundern, wenn dieFranzosen den Eintritt von Hessen oder Baden in denNorddeutschen Bund so ansehen, als handelte es sich darum,irgend einen ausländischen kleinen Staat wie Belgien ,Holland oder die Schweiz mit List oder Gewalt dem Preußi-schen Scepter zu unterwerfen; wenn ihnen eine Erweite-rung des Norddeutschen Bundes im Lichte der Annexionvon Nizza oder auch der Eroberung vvn Algerien erscheint,nur mit dem Zusatz, daß sie sich auch besugt, ja wegen derPflicht der Selbsterhaltung genötigt glauben, dagegeu ein-zuschreiten.

Ich habe Ihnen in meinem zweiten Briefe angedeutet,warum ich die Politik des Berliner Kabinets, in dessengegenwärtiger Beschaffenheit, für eine wesentlich friedlichehalte. Seitdem haben Sie in den angesehensten Organender deutschen, französischen und englischen Presse die Be-stätigung meiner Ansicht wiedergefunden. Es ist nicht leicht,mit gleicher Gewißheit nnd Beruhigung über die Neiguugeuder französischen Politik ein Urteil abzugeben. Zwar, wennwir nnr die natürlichen Triebfedern in Betracht zögen, welchebestimmend auf die Nation oder ihre Herrscher einzuwirkenverdienten, so müßten wir schließen, daß dem Einen wiedem Andern znr Sclbsterhaltnng der Friede geeigneter er-scheinen sollte, als der Krieg. Anch vermögen wir weder