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unten noch oben eine solche Herrschaft blinder Leidenschaftzu entdecken, daß wir veranlaßt würden zu glauben, diesedrohe, es über die natürlichen Interessen davonzutragen.Zu der vielfach verbreiteten Ansicht, daß das herrschendeSystem ans Furcht vor revolutionäre» Gefahren und umdieseu eiu Ablcitnngsmittel entgegenzustellen, versucht sei,sich in einen Krieg zu stürzen, fehlt die erste notwendigeBoraussetzung, nämlich das Vorhandensein einer solchenRevolutionsgefahr. Gleichwohl wird man sich von dieserSeite vorerst keinem allzugroßen Sicherheitsgesühl hinzu-geben wohlthun. Das Kaisertum ist auf alle Fälle mehrals der preußische Throu von Einflüssen umgeben, welchevielleicht nicht fo sehr die Macht, aber doch recht deutlichdie Lust haben, es zu einem Krieg zu verführen. DieseEinflüsse sind zunächst in den militärischen Kreisen zusuchen. Was sich in Mexico nnd was sich in Deutschland zugetragen hat, das wird in diesen Regionen als eine De-mütigung tief empfunden, die nach einer Ausgleichung ver-laugt. Dazu kommt, daß in der Bevölkerung eines Hofs,der nicht ohne die Mitwirkung von glücklichen nnd unglück-lichen Abenteurern gegründet wurde, der Geist des Aben-teuers auch nach zwanzigjährigem Aufräumen durch Todund Sättigung noch immer seinen Zauber ausübt undseine Bekenncr zählt. Nnd endlich ist zwar die Nationselbst in ihren guten und großen Bestandteilen srei vonjenen frevelhaften nnd thörichten Gelüsten, aber immerhinbirgt sie in ihrer Mitte eine nicht unansehnliche Mengevon Anhängern der Kriegsreligivn uud des Glaubens, daßFrankreich berufen sei, in Europa die Übermacht aus-zuüben.
Es ist allerdings weder die gewerbtreibendc noch diewissenschaftlich gebildete Bevölkerung, welche den Kern jenerentzündlichen Masse liefert, aber die Schar selbst ist von