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Natur so geräuschvoll, schwimmt auch ihrer schaumigen Be-schaffenheit gemäß so sichtbar auf der Oberfläche, daß sieüberall, wo Auge uud Ohr hiudriugen, doch in erfter Liniesich geltend macht. Zunächst verfügt sie über die größereHälfte der Presse. Ob die Regierung im gegebenen Augen-blicke kriegerisch denke oder nicht, die servilen Zeitungenerachten es jeder Zeit als einen Liebesdienst, wenn siefalsche Ehrbegriffe und soldatische Reizbarkeit nähren. Daznkommen die Organe der scheinbaren oder der wirklichenOpposition, welche in derselben Richtung wirken, indem sieder Regierung wahre oder vermeintliche Demütigungen aufdem Gebiete der auswärtigen Politik vorhalten. DieserZusammenklang beherrscht nnd schürt dann die öffentlicheMeinung eines großen Teils des so zahlreichen, beinahe injeder Familie vertretenen Beamtenstandes, dessen Erwerbwährend des Kriegs fortgeht, desfen Geist nach militärischemSchnitt dressiert ist. Hinter ihnen gruppieren sich aus denMittelklassen alle die, welche von den offiziellen Über-lieferungen alter Zeiten seit der Monarchie Ludwigs XIV. bis auf die Spektakelstücke des Zirkus Francoui ihre natio-nalen Eingebungen empfangen haben. Das Alles zusammenmacht noch eine gute Zahl, welche das Wachstum eines be-nachbarten Volkes als eine absnrde Anmaßung betrachtetnnd daher in der Einigung Deutschlands nicht blos eineGefahr, sondern auch eine persönliche Beleidigung für Frank-reich erblickt. Während wir in Berlin die Adreßdebatteblos in unserer Meinungsverschiedenheit mit der Pfaffen-und Volkspartei sahen, hatten wir keine Vorstellung vonder Gereiztheit, mit welcher die eben geschilderte Kategorievon Franzosen unseren Verhandlungen folgte und es ihrerRegierung nahelegte, aus der Annahme der Adresfe einenoasnZ dslli zu machen. Habe ich doch an mir selber dieunglaubliche Erfahrung gemacht, daß von vielen meiner