— 124 —
Bekannten meine Bemühungen in nationaler Richtung alsein schweres Ärgernis ausgenommen wurden. „Wie! —hieß es, so wird mir von vielen Seiten berichtet — wie,dieser Mensch, der fünfzehn Jahre lang die französischeGastfreundschaft genoß, erklärt sich jetzt als ein offenerFeind der Franzosen !" So einfach und untrennbar warihnen die Vorstellung eines geeinigten Deutschlands undder Bosheit gegen Frankreich . (Daß eine gewisse Sortevon deutschen Gimpeln bei dieser Gelegenheit, wie in ähn-lichen Füllen, mit Chorus macht, versteht sich vou selbst.)Dem Allen kommt dann die große Unkenntnis unserer Zu-stände (entschuldbar durch deren große Verwirrung) znHilfe. Konnte doch der „Moniteur" selbst noch das in sokraftstrotzender Souveräuetät sortbesteheude Hessen -Darm-stadt des Herrn von Dalwigk mit dem leider untergegangenenKurhessen des Herrn von Hasseupflug verwechseln!
Gerade durch die gereizte Betonung des Unterschiedsaber zwischen Nord und Süd machen wir uns zu Bundes-genossen dieser Anmaßung und Unwissenheit. Glaube maunicht, daß eine gelegentliche brüderliche Deklamation überdas Zusammenstehen bei Angriffen von außen jene» bösenEindruck zu verwischen imstande sei! Die Einstimmigkeitselbst dieser Beteuerungen benimmt ihnen den Kredit. Dennwie sie von den Freunden des Konkordats nnd der De-possedierten gemeint sind, das weiß man im Auslande nochbesser als bei uns von wegen der direkten vertraulichenVerbindungen. Aber auch diejenigen Radikalen, welche esmit der Wahrung deutschen BodenS ehrlich meinen, irrensich, wenn sie meinen, sie könnten im Augenblicke der Ge-fahr urplötzlich aus verbissenen Widersachern zu innigenFreunden werden. Auf die Manier begeben sich die Dingein dieser wirklichen Welt nicht. Und sollten sie sich auchVerstandes- und Charakterstärke genug zutraueu, um mit