Druckschrift 
4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
Entstehung
Seite
133
Einzelbild herunterladen
 

133

Könnte man nicht nach dem Erfolg noch viel eher urteilen,es sei die geheime Absicht des Ministers, durch diese unbe-schreibliche Arbeitshänfnng den Minister selbst zu töten?Wer von Ihnen, m. H., wird es nicht schon für eine un-gebührliche Zumutung halten, wenn er alle stenographischenBerichte von A bis Z durchlesen sollte? Nnn macht aber um von der ausnahmsweise:! Stellung des Bundes-kanzlers abzusehen das Verfolgen der öffentlichen Ver-handlungen den leichtesten und kleinsten Teil des Berufseines gewissenhaften Abgeordneten aus. Ich möchte dieHerren, welche des Morgens um elf Uhr zur erstenSchoppeusitzuug ausgehen und allda von der Höhe ihrerWeisheit und Tngend herab über den norddeutschen Bnndund den diäteuloseu Reichstag Gericht halten, einmal ander Arbeit sehen, der ein solcher dintenloser nnd am Endegar nationalliberaler Abgeordneter in hundert Sitzungender Kommission für Gewerberccht unter Anwendung allenerdenklichen Eifers und Wissens obliegt! Wie mancherdieser Abgeordneten ist als Mitglied des Landtags, desReichstags, des Zoll-Parlaments seiner Familie und seinemhäuslichen Beruf seit ueun Monaten entrissen! Diesen un-haltbaren und gemeiuschädlichen Stand der Dinge ver-danken wir aber der künstlichen Zersplitterung von Staats-geschästen, die in einer Körperschaft in der Hälfte der Zeitviel besser erledigt werden könnten. Man denke nur andie dreifache Wahlprüfung, Konstituierung, Ämterverteilung,an die unausbleiblichen, langwierigen Komperenzstreitig-keiten, und man wird zugeben müssen, daß die gegenwärtigeEinrichtung mit einem jener altmodischen Apparate arbeitet,welche bei möglichst großem Kraftaufwand möglichst wenigTagewerk vollbriugen. Mit oder ohne Absicht, mit oderohne Diäten muß eine Erlahmung der ParlamentarischenKräfte aus der Fortdauer dieser Zustände sich ergeben.

i