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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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wie bei der hessischen Weinsteuer kund ward. Diesmaldagegen schauen sie vollständig beruhigt drein, rosig aus-geschlafen, und drücken ihren intimsten Feinden die Hände,wie Leute, die ihrer Sache gewiß sind; ihr Lächeln istvon der Farbe des Vergißmeinnicht. Nichts fürchten sievon deutscher Einheit zn hören, nichts von Überschreitungdes Mains. Das deutsche Nationalbewußtsein, welchesSchande halber in der Eröffnungsbotschaft des Zoll-Parlaments nicht fehlen dnrfte, ist bereits darin angewiesenworden, in der Verbrüderung mit dem Mikado und demTaiknn von Japan zum Einblick in sich selbst zu gelangen.Abwechslung halber werden wir diesmal den Weg nach demKyffhäuser über Jeddo, Nangasaki und Nokohama versuchen,um von da München uud Stuttgart zu erreichen. Wunder-bar verschlungen sind ja die Wege der Vorsehung, undgroße Wahrheiten müssen oft in scheinbarem StillliegenKraft und Stoff ansammeln, dann urplötzlich auf die Füßespringen und ihren nichts ahnenden Gegner zu Bodenschlagen. Dentschland hat 18<)6 eine kritische Krankheitdurchgemacht und ist noch in der RekonvaleScenzperiode. Insolchen Zeiten empfehlen die Ärzte ihrem ungeduldigenPatienten Langeweile als das beste Stärkungsmittel. Unddiese Medizin droht noch nicht auszugehen. Ich versprecheIhnen neue Zufuhr aus dem Zoll-Parlament und kommewer weiß vielleicht in den Fall, mein Scherflein dazubeizutragen. Ein berühmter Schriftsteller hat ja gesagt:Glücklich das Volk, dessen Geschichte eine langweilige ist.Doch meint er damit schwerlich die Art von akuter Lange-weile, an der wir eben leiden. Jener Montesquieu dachtean die beseligte chronische Langeweile der himmlischen Heer-scharen, welche ihre Zeit mit Nichtsthun, oder was dasselbeist, mit Musikmacheu verbringen.

Solcher Freuden genossen unsere Alten, da sie noch