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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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Fälle sich gleichen, und der heutige am allerwenigsten demeinstmaligen gleicht.Wenn eiumal ein kluger Mann eineThorheit begeht, wird sie dreifach thöricht," pflegten unsereAlten zu sagen. Ein verkehrteres Verfahren, als das mitdem Petroleum und dem Tarif wäre schwer zu erfinden ge-wesen. Wenn Professor Ewald und der Kurfürst vvu Hessenden Grafen Bismarck dafür bezahlt hätten, daß er dieSachen so anpacke, er hätte sie nicht besser bedienen können.Schauen wir nus die Diuge eiumal au! Voriges Jahrzum erstenmal hatte der Bundeskanzler gesprochen: keinePetroleumsteller, kein Tarif! Wollt Ihr mir den Profitnicht gebeu, geb' ich Euch die Verbesserung iu EuremHaushalt nicht! Zweimal wurde abgestimmt, zweimal sagtedas Parlament: Nein, mit überwältigender Majorität:Nein! Ein Mann, der dächte, die Parlamente sind da, umaus sie zu hören, Hütte sichs gesagt sein lassen. Nunkommt er diesmal wieder genau mit demselben Losnngs-wort. Hatte er Grund, zu glauben, die Mehrheit werdesich auf seine Seite wenden? Dann müßte man annehmen,er verstehe gar nichts vom Parlament, das er doch täglichvor Augen hat. Jedes Kind wußte, die Petrvleumsteuergeht nicht durch, das stand felsenfest. Er mußte es wissen,er konnte nicht voraussetzen, daß wir Alle unsere Ansicht,die wir so reiflich zu prüfeu schou das vorige Mal Grundhatten, würden fahren lassen, etwa weil ein paar seinerLeibjunker auf die Tribüne stiegen, der Majorität schnödeSottisen zu sageu. Was war also sein Zweck? In solcherLage könnte einer allerdings auf die Idee verfallen, Bis-marck wolle das Parlament durch unfruchtbaren Widerspruchin der öffentlichen und in dessen eigner Meinung aufreiben.Allein ich kaun ihm das, wie gesagt, nicht zutrauen, ausbereits erwähntem Grunde und aus zehn mehr oder minderguten anderen Gründen. Soviel Geistesfreiheit wird der