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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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breitenden Vorlagen lange genug voraus mitteilen, daß esdieselben auch zu studieren Zeit habe. Ein anderer be-gehrte mit nicht geringerem Recht, daß sein heimischer Land-tag nicht zugleich mit dem Zoll-Parlament Sitzung halte.Er hätte dabei wäre man nur etwas mehr zum Lachenaufgelegt gewesen an jenen zur Eile angetriebenen Jr-länder erinnern können, der in seinem Unmut ausries:Ichbin doch kein Vogel, daß ich an zwei Orten zugleich seinkann!" Wie ist aber bei der bunten Musterkarte vonKammern und Parlamenten diesem Mißstand zu entgehen?

Und dennoch ist der Übel größtes nicht einmal dieseatemlose Übereilung, sondern das Schlimmste ist die Müdig-keit der Teilnehmer, mit welcher das Zoll-Parlament un-vermeidlich schon zweimal zusammentraf. Von den drei-hundert Mitgliedern des Nordens hatten, da wir am3. Juli in Berlin ankamen, die meisten und jedenfalls diehervorragendsten seit dem November in Berlin getagt. Zu-erst von November bis März im preußischen Landtag, so-dann von März bis Juni im Reichstag. Und nun denkenSie sich, was es heißt, sechs bis sieben Monate lang Tagfür Tag in einem Ranm mit mehreren hundert Menschen,bei schlechter Luft, angestrengter Aufmerksamkeit, vielfacherSpannung und Gemütsbewegung an schwierigen Gesetz-gebungsarbeiten schaffen, Arbeiten, welche anßer dem Fleißder Sitzungen den noch viel strengeren Fleiß der Vvr-beratungen in den Parteien und Abteilungen erheischen.Rechnen Sie dazu, daß die meisten Abgeordneten ebenso-lange ihrem Berns, ihrer Familie, dem regelmäßigen Lebenentzogen sind, und Sie werden begreifen, wieviel Kraftnnd Gednld der Mensch noch im Vorrat besitzen kann,wenn im achten Monat von ihn: verlangt wird, er sollenun ein neues Feld iu Angriff nehmen, neue Frageuprüfen, neue Streitigkeiten durchfechten! Gerade die, welche