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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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vielleicht nicht unentbehrlicher sind als die richtigen Grund-sätze der Mvral und Politik im allgemeinen, von denenwir aber bis c1g,t,c> nnendlich weniger gelernt haben, als vondiesen, so daß schon zur Herstellung des Gleichgewichts inunserer Urteilsfähigkeit eine besondere Beschäftigung mitihnen angezeigt erscheint. ES ist keine Gefahr, daß dar-über der Sinn für das Studium der großen nnd hohenStaatslehren möchte abhanden kommen. Denn die Be-schäftigung mit diesen letzteren ist, verglichen zn dem trockenenStudium der vvlkswirtschaftlichen Einzelfächer, etwas soleichtes uud anziehendes, daß es jenen mehr schöngeistigenGedankenrichtungen niemals an Jüngern gebrechen wird.Darum erscheint mir das Bestehen einer parlamentarischenNationalvcrtretnng, in welcher jene schwierigen nnd genauenSachkenntnisse den ersten Rang behaupten, die Allerwelts-Weisheit aber nur nebeuherläuft, als ein solcher Gewinnfür die Ausbildung unseres politischen Berufs, daß ichdarin ein gut Teil Trost gegeu die augenblickliche Dienst-untauglichkeit dieser Zollversammlung finde. Ich möchtebehaupten, daß in allen Tagen der Vergangenheit nicht soviel Aufforderung nnd Gelegenheit zur Untersuchung dieserFragen in Deutschland gegeben nnd benützt worden ist, alsseit den anderthalb Jahren, seit welchen an vierhundertseiner Volksvertreter gezwungen wurden, sich mit Eisen,Baumwolle, Zucker, Salz, Tabak, Kohlen, Eisenbahnen,Glas, Papier, Bier, Branntwein, Wein, Ein-, Aus- undDurchfuhr zu befassen. Doch muß leider auf diesen harm-losen Beruf die vernunftwidrige Spaltnng der Nativn inso vielerlei Läuder nud gesetzgebende Körperschaften ihrenverderblichen Einfluß ausüben. Der Wirrwarr der deutschenStaatsverfassnng mordet unerschwinglich viel Kraft undZeit. Sie haben gelesen, daß ein Abgeordneter verlangte,man möchte in Znknnft die dem Zoll-Parlament zu unter-

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