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ringeres, als um die Reform des deutschen Münzwesens.Eiue Frage, sv schwierig, so brenuend, so inhaltsschwer undverhängnisvoll, daß man ebensogut ihrethalben als derZölle wegen ein besonderes Parlament berufen könnte.„Zeit ist Geld," sagt der Amerikaner und will damit dasNachdrücklichste zu Gunsten der Zeit gesagt haben. Mensch-licher noch und richtiger vielleicht wäre zu sagen „Geld istZeit", denn Zeit ist ja Leben. Wie viel Zeit und Kraftverschwendet nicht die deutsche Nation tagtäglich dadurch,daß ihr Geldwesen noch das treue Abbild ihrer Neichs-verwirrnng ist.
Einheit der Sprache, sagt man, sei die Grundlage derNationaleinheit. Das Geld ist die Sprache des Verkehrs.Denken Sie sich, ein Deutscher müßte stets siebenerleiWörterbücher bei sich führen, nm mit seinen eigenen Lands-lenten in Geschäften zu verhandeln, uud Sie werde» vonstarken Zweifeln befallen werden über die Zusammengehörig-keit der Neichsbewohner. Und dennoch verhält es sich somit der Quintessenz aller Verständigungsmittel: mit demGelde. Kann man nicht eher noch ohne die Landessprachereisen, als ohne das Landesgeld? Ich sür meinen Teilstehe nie an einer deutschen Eisenbahnkasse ohne Ingrimmüber die Geduld, mit der wir das uuerträgliche Stück- uudFlickwcrk uud die schmähliche Vergeudung der kostbaren Zeitin unserem Lammesmute ertragen. Der Mann am Schalterspricht in Thalern uud Groschen, vor mir aber müssen nochsieben Landclleute passiereu, deren jeder eine andere Geld-sprache spricht und versteht. Der redet Guldeu uud Kreuzer,jener Mark und Schilling, ein dritter Goldthalcr und Groten.Nun rückt die Frau vor, welche ihre Brieftasche so vollbayrischer Scheine hat, daß sie sünszigmal ihre Reise zahlenkönnte, und heult in Verzweiflung, daß der Kassierer ihr