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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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gründlichen nnd lehrreichen Denkschriften. Im Schoßedes Zoll-Parlaments selbst war die Geneigtheit groß, sichmit der Sache zu befassen. Hier, vielleicht zum ersten undeinzigen Male, bot sich eiu Gegenstand dar, welcher nichtstreng in die Kompetenz gehörte und welcher dennoch auchbei den süddeutschen äußersten Parteien eines guten Em-pfanges gewärtig sein konnte. Denn der deutsche Südenjeder Farbe ist der Münzreform, der Gold- und Dezimal-währung hold*). Also war auch hier ein Werk des Friedensund des Gedeihens zu unternehmen.

Zu allen diesen guten Vorbedingungen gesellte sichnoch eine dritte. Die FraktionMainbrücke" hatte ihrganzes Dasein vorerst der Unterstützung der Müuzangelegen-heiteu gewidmet. Sie haben wohl von der FraktionMain-brücke" gehört? Ihren Namen verdankt sie keinem ge-ringeren Paten, als dem populärsten Manne des Südens,dem Abgeordneten Völk. Die Sache verhielt sich so: Dasvorige Mal schon und diesmal wieder machte eine Ver-bindung viel von sich reden, welche sich nannte:Die süd-deutsche Fraktion". Der Name schien zu bedeuten, daß alleAbgeordneten von südlich des Mains hier vereinigt wären.In Wahrheit aber hatten sich unter diesem täuschendenNamen nnr die znsammengethan, welche den zornigenKampf um Rührung und Erhaltung der deutscheu Zwie-tracht und Zerrissenheit bis zum letzten Augenblick zukämpfen sich verschworen haben, die Pfaffenpartei nämlichnnd die in deren Schlepptan fahrende Volkspartei ausWürttemberg, Baden und Bayern . Diesen nun eine Verbin-dung der übrigen Süddeutschen gegenüberzustellen, gefiel

*) In der dritten Session l18M hat die Partei derunversöhn-lichen Partikularisten" auch dieses Vertrauen in ihren MenschenverstandLügen gestraft. Sie hielt sich für verpflichtet, auch gegen die Münz-reform zu stimmen I