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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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allen denen, welche Deutschlands Heil nicht von dem eigen-tümlichen Lebenstrank erwarten, der aus dem nächstenrömischen Konzil und der nächsten französischen Revolutionsoll zusammengebraut werden. Und da es auch unterdieseu Freunden der guten Sache an Schattierungen nichtfehlen konnte jeder deutsche Politiker hätte ja eigentlichdas Bedürfnis, sich wieder in drei Fraktionen seiner selbstzu spalten, so suchte mau uach einem außerhalb allerlandläufigen Losungsworte gelegenen Namen.

So erfand Völk dieMainbrücke". Ich war nichtzugegen bei der Taufe, glaube aber kaum, daß sie mitWasser vollzogen worden. Diese Fraktion nun von bei-läufig dreißig Mitgliedern widmete sich diesmal vornehm-lich der Münzfrage und beschloß nach mehrfachen sehr leb-hasten uud gründlichen Beratuugeu, das Programm desHandelstages zu unterstützen: deutsche Münzeinheit ausGrund des DezimalfußeS, Anbahnung der Goldwährungund womöglich Nerständigung mit den übrige» Nationen.Doch alle diese Bemühungen mußten sich mit einem überdie Maßen bescheidenen Resultat genug sein lassen. Alsder bewußte letzte Tag herangerückt kam, drängte sich unab-weisbar die Erkenntnis auf, daß das Haus einer gründ-lichen uud würdigen Besprechung dieser Sache uicht mehrStaud halten würde, und ihre besten Freunde rieten, sielieber in ganz flüchtiger Weise empfehlend zu berühren, alsdurch den mißlungenen Versuch einer gebührenden Erörte-rung sie in ihrer Stellung zur Öffentlichkeit zu schädigen.Darum begnügte sich der Referent, kurzer Hand die An-nahme eines Beschlusses zu befürworten, den schon derReichstag vordem gefaßt hatte, und der iu allgemeinenAusdrücken die Münzreform empfahl. Nur damit überdie Anschauung der Bittsteller und ihrer Freunde keinZweifel übrig bleibe, unternahm ich es mit wenigen Worteu,