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Heerstraßen durchzogen, nm seine Gewalt mit eiserner Faustzu halten, er muß zurückweichen vor jenem unsichtbarenEtwas: der öffentlichen Meinung! Nicht Roß, nicht Reisige!Alle künstlichen Auswege durch Spiegelfechtereien desKrieges, so lange ausgeklügelt und ausgespäht, hat ihmin einer Nacht, vom 24. ans den 25. Mai der unsicht-bare Geist verlegt. Die Tragweite dieses Ereignisses zudurchdenken, wäre ein zn kühnes Unterfangen für denSchluß eines Briefes. Möglich, daß wir vvr einem welt-geschichtlichen Wendepunkt stehen. Den zähen Anhängernder Unfreiheit nötigt dies Erlebnis die Einsicht ans, daßder Strom der Zeit unaufhaltsam weiter schiebt; es wirdihnen etwas heilsame Demut eiuslößeu. Deu ungestümenHeißspvrnen der Freiheit widerlegt es die Lehre von deralleinseligmachenden Kraft der Barrikade. Seit vielenIahren ist nichts merkwürdigeres in der Welt geboten worden,als das Schauspiel des wider Willen in freiere Bahnen ge-drängten französischen Kaisertums.
Frankreich war bis jetzt dasjenige Land, in dem derGlaube an die Möglichkeit eines Fortschritts ohne revolutio-nären Theatercoup die wenigste» Anhänger zählte. Unddennoch, wie ist im Laufe der Jahre das kleine Häufleinder Fünf gewachsen, welche den Kampf gegen die Reaktionauf dem Boden der nnwiderrnflichen Thatsachen acceptierten.Wie lange waren sie vereinsamt und verspottet! Jetzt sindsie eine Armee und helfen die Geschichte Europas machen.Im weiteren Verlauf dieser aufsteigenden Bewegung wirdauch Frankreich sich wieder in seiner sittlichen Würdefühlen lernen, einen guten Teil seiner Stellung im Fort-
') Die Nacht nach dem Abschluß der Wahlen zum gesetzgebendenKörper. Seitdem obiges geschrieben wnrde, ist ein Jahr vergangen,welches die hier ausgesprochene Erwartung mehr als gerechtfertigt hat.
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