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würde man einen Stuttgarter Königsmörder nicht voneinem Passauer Kapuziner unterscheiden können, und dieschwabischen Jakobinermützen sind nur baumwollene Nacht-kappen, welche rot gefärbt worden. Vielleicht habe ich selbsteinmal behauptet: die Verkuppelung der Demagogie mit demJesuitismus sei widernatürlich, — Irrtum, ungerechterVerdacht! Der mittelmäßigste Maler würde mit einemPinselstriche aus einem solchen Demagogen einen Jesuiten machen und umgekehrt; der Jesuit treibt Demagogie undder Demagoge treibt Jesnitismns und zwar jeglicher mitgleicher Herzenslust, jeglicher mit gleichem Talente. Beidevereinigen sich in ihrer Antipathie gegen den Staat, dasgroße Geineinwesen, welches sich von ihrem persönlichenGetriebe weder befriedigen, noch beherrschen läßt, teilen sichwonniglich in den, heimischen Spielplatz sogar mit ihrenMinistern, wofern diese nur gesonnen sind, den Krakehl inden Grenzen der angestammten Mundart zu halten. Dies,geehrte Herren, ist die nackte Wahrheit über den Standder Dinge zwischen dem, was man jetzt in Deutschland nationale Partei nennt, und altem übrigen, was sich nntermannigfachen Vermnmmungen bald als Politischer, bald alsreligiöser Fanatiker, bald als unterwürfiger Fürstendieuer,und häufig als ein Gemisch von allen dreien umhertreibt.Der Grundzug ist das Philistertum, die angewohnte Be-haglichkeit mit der Führung seines Lebens und der Ver-wertung seines Einflusses auf deu möglichst vertrauten undbequemen Raum augewiescn zn bleiben.
Ich setze diese Wahrnehmung allen andern voran, weilsie unser ganzes öffentliches Dasein beherrscht und uns inBeurteilung desselben am richtigsten leitet. In dem Augen-blicke, da zum dritten- und letztenmale Ihre Erwählten zu-sammentreten, die, um deren Namen so grimmer Streitentbrannt war, erhebt sich unvermeidlich die Frage, wie