— 186 —
denn seit jener ersten Entscheidung das Schicksal des Vater-lands sich gestaltet habe, was gewonnen, was verloren sei?Vor nunmehr zwei Jahren hatten die einen gehofft, dieandern gefürchtet, das Zoll - Parlament könnte im Hand-umdrehen ein Politisches Heilsinstrumeut werden. Diese Er-wartungen sind nicht in Erfüllung gegangen; hat über-haupt etwas sich verändert, so geschah es eher zumSchlimmeren als zum Besserem, wäre es auch nur dadurch,daß sich nichts verändert hat, denn die Zeit giebt ja auchden unliebsamsten Einrichtungen eine gewisse Weihe nndFestigkeit! Die sonderbare Scheidung zwischen Nord- uudSüddeutschland, welche vor zwei Jahren noch wie einböser Tranin aussah, wird heute vielfach schvu für zuRecht bestehend nnd wie etwas zur Dauer Bestimmtes an-gesehen, besonders vom Auslande, welches bekanntlich aufunsere inneren Angelegenheiten seinen Einfluß nicht ver-loren hat. Aber wenn wir äußerlich so wenig voran-gekommen sind, daß man nicht ohne Fng sagen möchte, wirseien zurückgegaugen, so ist die innerliche Entwicklung derZustände sichtbar vorangereift. Die leitende Politik Nord-dentschlands hat für gut befunden, den Süden vorerst sichselbst zn überlassen. Ihre Beweggründe, ihre guten wieihre schlechte», sind bekannt. Aber das ist jedenfalls er-reicht, daß die Sinn- und Zukuustslosigkeit der süddeutschenSouderbündler sich iu ihrer ganzen Blöße preisgegeben hat.Unbehindert, ja aufgefordert, zu zeigen, was sie wollen undwas sie vermögen, haben fie bewährt, daß sie nichts wollenund nichts vermögen, aber anch gar nichts, als die bösenTriebe, welche Deutschlands staatlichen Beruf seit Jahr-hunderten zurückhielten, iu buuteu Reihen zu entfesseln,— spießbürgerliche Trntzköpfigkeit, Krakehlsucht und Plan-losigkeit. Nicht ein Schritt, nicht ein Entwurf, nicht einGedanke, dem sich entnehmen ließe, wie sie sich ihre Po-