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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
Entstehung
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Die thatsächliche Übertragung der 5 Milliarden kann sicherst in so langer Zeit vollziehen, daß der daraus ent-stehende jährliche Ausfall von der einen nnd Zuschlag vonder anderen Seite nur eiuen Bruchteil ausmacht neben derjährlichen, aus eigener Kraft entspringenden Bereicherung,welcher durch die Arbeit der empsaugeudeu wie der leisten-den Natiou iu die Welt gesetzt wird. Und dies ist gutund tröstlich iu jeder Weise. Im Altertum oder auch innäher liegende» Zeiten einer weniger vervollkommnetenGeldwirtschast wäre vielleicht der Weg einer kolossalen Be-reicherung auf Kosten der Besiegten durch Fortschaffungmaterieller Güter aus dem einen Land ins andere bewerk-stelligt worden. Noch die Generale des französischen Di-rektoriums uud Napoleons I. wälzten in viel stärkerem Maßeals wir die ganze Last der Naturalverpflegung ihrerArmee» auf die ervberteu Länder, und im Puukt derKunstschätze hielten sie im vollste» Umfang das antike Rnub-system aufrecht. Deutschland hat im letzten Krieg nichtblos die vornehme Knnstpiraterie verschmäht, sondern auchden Unterhalt seiner Armeen znm größere» Teil, sei esdurch Proviautkolounen, sei es durch bar bezahlte An-schaffungen, bestritten. Die Zwangsreqnisitionen zu un-entgeltlichen Leistuugeu bildeten, so schwer sie auch stellen-weise vou deu Besiegten empfunden wurden, doch nur dieAusnahme von der Regel. In dieser ganzen Methode dieProzeßkosten des Krieges erst nachträglich in einer Finanz-operation auszugleichen, welche ans dem Fiktivnsweg derNatur Zeit läßt, mit wirklicher Produktion langsam nach-zufolgen, liegt eiu nicht genug zu beachtendes SänftignngS-element moderner Kriegsführung.

Aber auch bei dem hierdurch gewvuuenen Spielraumdürfeu wir nicht übersehen, daß der Zeitabstaud zwischeuder scheinbaren Liquidation und der wirklichen, sachlichen