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Räumung seines Gebiets. Für Deutschland liegen dieDinge anders. Wir werden uns überzeugen, daß dieZahlungsmittel momentan zum größeren Teil aus unseremeigenen Borrat geschöpft werden, die Perturbationen durchplötzlich entstehende Leeren und Überfüllungen daher amstärksten auf unserem eigenen Gebiete spielen. Ebenso sinddie politischen Motive zur raschen Abwicklung für unsweniger drängend als auf der französischen Seite. DieUngeduld nach dem Empfang, welche sich aus der Ungewiß-heit über den thatsächlichen Eingang der Gelder ableitete,kann sich nicht messen an moralischer Berechtigung mit derUngeduld des Besiegten, die Gegenwart seines Siegers loszu werden. Wir durften, wir mußten, sosern wir wirt-schaftlich vernünftig verfahreu wollten, selbst teilweise aufKosten des ganz sicheren Eingangs die Fristen hinaus-schieben. In diesem Zweifeln an dem sicheren Eingangzeigte sich in Deutschland bei Groß und Klein von Anbe-ginn an eine etwas philisterhafte Ängstlichkeit und Begehr-lichkeit. Zweifel mochten ja berechtigt sein. Aber sie waren,wie der Verlauf bewies und wie die Sachkenner stets vor-aussagten, stark übertrieben. In dem Maße als die Zah-lungen fortschritten, mußte das Sicherheitsgefühl für denimmer sich vermindernden Rest größer werden und durfteschließlich der Gedanke selbst Raum gewinnen, für die letztenTermine von allen territorialen Bürgschaften zn abstrahieren,wie seiner Zeit im Vertrag vom 29. Juni 1872 Art. 4verständigerweise vorgesehen war.
Es ist zu bedauern, daß in dem neuesten Vertragdieser Vorbehalt nicht zur Anwendung gekommen ist, sodaß die Franzosen der Notwendigkeit enthoben wordenwären, die Schlußzahlungen in die kurze Frist zusammen-zupressen, in welcher sie ihr Gebiet geräumt zu seheuwünschen müssen. Wir hätten uns, ohne die Sicherheit