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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
Entstehung
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aber vor allen anderen die Minister. Ich will ihnen damitnichts böses nachsagen. Jedes Geschöpf entwickelt sich nachder Anlage, welche Natur ihm vorgezeichnet hat, und zudem Minister einer Monarchie spricht sie:Du sollst sattsein; denn wonach könntest du noch Appetit haben?" Dies istein Argument, welches ihnen Bismarck nicht vorhaltenkann, denn er ist ein höflicher Mann, wie er mit Rechtsich rühmt. Unser Glück ist, daß er eben kein Minister ist,sondern etwas Besseres. Es gereicht uns ohne Zweifelsogar zum Vorteil, daß man für seine Stellung den be-sonderen und vollklingenden Namen eines Kanzlers zurHand hatte. In Wahrheit ist er jenes seltene Werkzeugder Geschichte, welches in Abwesenheit fest gegründeterMonarchien sich auf den Thron erhebt, da aber, wo essolche vorfindet, weise seinen Stützpunkt just iu die Festigungder ihm vertrauenden Monarchie verlegt. Ein solcher Mannwar Richelieu, ein solcher ist Bismarck, in mehr als einemPunkte jenem vergleichbar. Die besten Reichsminister wer-den nicht ein auseinandergelegter Kanzler sein, denn siewerden Minister, d. h. satt sein; er aber ist ein Nimmer-satt, wie Richelieu einer war. Tritt Nimmersattigkeit zurSeele eines Monarchen, so führt sie zum Überschlagen wiein Napoleon I. ; aber in der Seele eines von festem,monarchischem Stamm zurückgehaltenen Staatsmannes wirktsie als das belebende Element, vorab in neu begründetenStaatswesen. Der Ahriman des deutschen Reichs hat inden Ministern der Einzelstaaten gefährliche Verbündete,zuerst in den liberalen Ministern die gefährlichsten. Dagilt es, so weise zu vermitteln zwischen oben und unten,Altem und Neuem, so viele Opfer zu bringen, um sich selbstals die verkörperte gute Sache möglich zu erhalten, gegen-über den Schwächen und Kabalen der Hofkreife. Sindnun gar noch die Minister, wie im Justizwesen, Männer