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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
Entstehung
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vom Fach, so sind sie von vornherein mit einer Scharf-sichtigkeit für alle Schwierigkeiten der Unifikation begabt,welche jeden Baum als einen Wald für sich betrachtethaben will.

So lange dieser satte Weisheitstrieb den preußischenStaat nicht ergriff, konnte man ihm mit der Ruhe zusehen,welche erwartete Schauspiele begleitet. Die nationale Parteiim Reichstag, der Kanzler und das preußische Staats-gewicht vereinigt, waren Manns genug, deu Kampf aufzu-nehmen. Anders gestalten sich die Dinge, wenn die preußi-schen Minister selbst sich von Ahriman angezogen fühlen,und gefahrlich werden sie, wenn in Revieren auftauchend,welche sich der Kontrolle des Fürsten Bismarck durch ihretechnische Beschaffenheit entziehen, so daß das ministerielleRuhebedürfnis vom kanzlerischen Bewegungstrieb nichts zufürchten hat. Diese Wendung versuchen die Dinge in dergroßen Gesetzgebungsfrage einzuschlagen, nachdem derpreußische Justizminister selbst im Unifikationswerk einenresignierten Staudpuukt einzunehmen erkärt hat, welcher zusolchen! Posten bei solcher Aufgabe nicht paßt. Gleichzeitigthat es ihm der preußische Finanzminister beim Bankgesetz-entwurf in dieser Richtung zuvor. Mau hat solche An-klagen, wie die hier formulierte, mit bequemen Scherzenabfinden wollen, indem man ironisch ausrief: nun solle einMann wie Camphausen gar zumReichsfeind" erklärt wer-den, weil er nichts von einer Neichsbank wissen wolle. Ge-wiß, Herr Camphausen und Herr Leonhardt find keineReichsfeinde, ebensowenig, beinah noch weniger, sind es diebayrischen und württembergischen Minister.Nur dasTanzen auf den Märkten" will ein jeglicher Atta Trollvon allgemeinen Menschheits- und Vaterlandsaufgaben ge-trennt behandelt wissen! Hier sitzt die bewußte Hartköpfig-keit des Ressorts, über welche Bismarck von jeher so be-

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