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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
Entstehung
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wegliche Klage führte. Merkwürdig, daß sie ihm nicht vonvornherein sich kenntlich machte, als das Finanzressort seineLaufgräben gegen die Reichsbank eröffnete, ihm, der dochsonst ein so scharfes Auge für diese störsame Einseitigkeitbesitzt!

Manch ein Parlamentarier oder Journalist, der sichals besonders klug aufzuspielen glaubt, hat von oben herabüber die Wärme gelächelt, mit welcher der Gedanke einerReichsbank vertreten wurde, indem er zu verstehen gab: essei hier mit dem bloßen Klang und Sang des WortesReich" ein kindisches Spiel getrieben, teils in naiver Be-geisterung, teils in schlauer Berechnung. Aber diese wohl-feile Klugheit soll uns nicht irren, noch kirren. Es liegtein verdammt ernster Sinn in diesem kindischen Spiel.Wenn das Einheitswerk des Reiches nicht in dem Innerenseines organischen Baues durch dauernde und wohlthätigeInstitutionen gefestigt wird, so ist die blos nach außen ge-richtete UmWallung auf die Läuge weder befriedigend nochsichernd. Und wenn wir dem ministeriellen Schlaraffen-tnm gestatten, den zersetzenden Bestrebungen des Zentrumsund der äußersten politischen Flügel in die Hände zuarbeiten, indem sie die harmonische Durchbildung des innernGesamtlebens aushalten, so lassen wir der Möglichkeit rück-läufiger Bewegung einen gefährlichen Zugang offen. Ganzabgesehen daher von der sachlichen Wichtigkeit eines zen-tralen Bankinstituts hat es einen eminent politischen Wert,daß der Eigenwille des ministeriellen Partiknlarismus inder Bankfrage gebrochen wurde; und wir dürfen dies Er-lebnis als ein günstiges Vorzeichen nehmen für das, wasin der noch größeren Frage der Rechts - Organisation zuhoffen ist. Freilich liegen bei letzterer die Sachen schwieriger.Eine Bankhoheit giebt es wenigstens im dynastischen Jargonnoch nicht, und aus der Münzhoheit haben wir das Schäd-