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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
Entstehung
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lichste beseitigt. Mit der Justizhoheit versteht man wenigerSpaß. Aber haben wir nicht die Militärhoheit, die nochein ganz anderes Ding war, dem Reich erobern sehen?Es wird nur darauf ankommen, daß dieselben Machtfaktoren,welche diesen Sieg davongetragen, sich auch für die innereOrganisation der friedlichen Reichsthätigkeit im gleichenMaße zu interessieren beginnen, wie für die kriegerischen.In gleichem Maße? Das wäre wohl zu viel gehofft,aber auch nur in annähernd gleichem würde schon genügen.Irre ich nicht, so ist der rasche Erfolg, welchen die ersteLesung des Bankgesetzes in der Sphäre der Bundes-regierungen erzielt hat, dem noch rechtzeitigen Erwachendieses Interesses am rechten Ort zuzuschreiben, ein Er-wachen, um das sich der von allen Seiten des Parlamentsandrängende Weckruf verdient gemacht hat, nicht amwenigsten der negative der Zentrumspartei und des imNegieren ihr so oft verbundenen Abgeordneten EugenRichter .

Bekanntlich hat eine spanische Nonne den interessantenTeil ihres Lebens beschrieben, welchen sie während ihresembryonischen Daseins im Mutterleibe verbrachte. DerBankgesetzentwnrf könnte sich verdient machen, wenn er aufgleich« Weise die Geschichte seines Werdens bis zum Mo-ment der offiziellen Entbindung des Reichskanzleramtes imBundesrat schreiben wollte. Bis das geschieht, gereicht esvielleicht zu einiger Belehrung, das zu erzählen, wasemsiger Auskultierung zu beobachten vergönnt gewesen.Allen Anzeichen nach war vom Moment der Konzeptionbis weit über die erste Periode der Entwicklung hinausdas künftige Geschöpf gerade so angelegt, wie es derReichstag erwartete. Erst im Verlauf der Zeit ist dieerste Absicht der Natur gänzlich zu Schanden geworden.Bereits im Dezember 1872 hatte das Reichskanzleramt