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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
Entstehung
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einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, welcher in gerader Linieaus die Neichsbank losging und, wie das nicht anders seinkonnte, auf die Umwandlung der preußischen Bank in diefür Gesamtdeutschland. Es war in den Motiven diesesEntwurfs der Gedanke vor allen anderen ausgesprochen:daß die öffentliche Meinung in Deutschland einstimmig einesolche Institution begehre, und anerkannt, daß dieselbe ihreunwiderleglichen Gründe dafür habe. Demgemäß war derganze Plan angelegt. Der Entwurf trug bereits die Unter-schrift des Reichskanzlers; dennoch ist er nie in den Bundes-rat gelangt. Wo blieb er denn hängen? Offenbar an denZäunen des preußischen Finanzministeriums! Denn diesesbildete die erste Instanz, die er naturgemäß zu passierenhatte. Damit stimmt anch ganz das Verhalten der be-treffenden Personen. Sowohl der Präsident des Reichs-kanzleramtes, als sein Mitarbeiter in diesem Fach, Geh. RathMichaelis, haben sich stets in dem Sinne geäußert, daß anihrer Absicht auf Errichtung einer Neichsbank nicht zuzweifeln war. Dagegen benutzte der preußische Finanz-minister die Gelegenheit der Debatte über die Reichskassen-scheine im Frühling 1874, um das Parlament zu bedeuten,daß er seinen eigenen persönlichen Plan für ein Bankgesctzhabe, also offenbar abweichend von dem, welcher im Reichs-kanzleramt bestand. Auch machte er kein Hehl daraus, daßdieser Plan schwerlich den Beifall des Reichstags findenwerde; denn, sagt er, vorlegen kann ich Ihnen schon imuächsten Herbst allerdings einen Entwurf, aber ob Sie ihnannehmen werden, das ist mir sehr zweifelhaft. Nun, erhat redlich Wort gehalten; denn es wäre schwer gewesen,etwas Unannehmbareres vorzulegen, als das unter seinerPression ausgearbeitete Projekt.

Nachdem der erste Gedanke des Reichskanzleramtesvom preußischen Finanzministerium Zurückweisung erfahren