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hatte, mußten auch die einzelnen Bundesregierungen ab-geschreckt werden, diesem Gedanken zur Wiederaufnahme zuverhelfen. Als ich im Reichstag die Behauptung aufstellte,die bayrischen Minister seien der Reichsbank von vorn-herein hold gewesen, entledigt sich in der Gegenrede HerrCamphausen des EinWurfs mit dem inhaltslosen Sarkasmus:ich scheine besser unterrichtet über die Dispositionen derbayrischen Regierung als er; was natürlich ja so vielheißen sollte als: ein so hochstehender Minister müsse der-gleichen Angelegenheiten doch unendlich genauer kennen alsein simpler Abgeordneter. Geradezu eine Verneinung desvon mir Behaupteten enthielt die Gegenrede doch nicht.Wie dem aber sei, der Minister Camphausen mag die Dingeso oder anders gewußt haben; er mag, wie wahrscheinlich,jedenfalls für besser gehalten haben, zu verschweigen, waser wußte, immerhin bleibt es thatsächlich wahr: die bayri-schen Minister lebten seit der Beratung des Münzgesetzesund noch zur Zeit der Beratung über die Reichskassen-scheine der festen Erwartung, daß die Reichsbank den Mittel-punkt des künftigen Gesetzes bilden werde, und sie dachtennicht entfernt daran, sich dem entgegenzustellen. Es brauchtwahrlich keinen Zutritt zu den geheimen Beratungen derKabinette, auch keine Indiskretionen aus denselben, um soetwas in Erfahrung zu bringen. Erinnere man sich nur,wie die Dinge lagen, als in dritter Lesung über der Be-ratung des Art. 18 des Münzgesetzes die Verhandlungenabgebrochen werden und — so schwierig und verworrenliefen die Fäden durcheinander — bis in die letzten Tageder Session vertagt bleiben mußten, damit eine Verständi-gung bereitet werden konnte. Bayern in erster Linie undnatürlich auch Sachsen wollten nicht in die Unterdrückungdes Staatspapiergeldes (unter 100-Mark-Abschnitten) ein-willigen, ohne wegen der künftigen Bankgesetzgebung be-