— 264 —
ruhigt zu sein. Wer im Mittelpunkte der parlamentarischenVerhandlungen und der daraus entsprungenen Verlegenheitverkehrte, hatte reichlich Anlaß, aus unmittelbarster Nähedie An- und Absichten der Beteiligten vom Höchstgestclltenabwärts kennen zu lernen; und aus eigenem persönlichenWissen bekräftige ich meine im Reichstag aufgestellte Be-hauptung: in den nach Preußen am meisten maßgebendenRegierungskreisen, den bayrischen namentlich, war mannicht nur bereit, auf den Gedanken der Reichsbank einzu-gehen, sah man ihn nicht bloß als den Schlußstein derganzen Münzgesetzgebung an, sondern auch in der Be-teiligung Bayerns an den Vorteilen eines solchen Institutserblickte man die richtige Ausgleichung aller über die Aus-gabe von Staats- und Privatnoten obschwebenden Diffe-renzen. Wie ist es nun gekommen, daß bei den Verhand-lungen im Ausschuß und Plenum des Bundesrats nichtsvon diesen Erwartungen und Ansichten zum Vorschein kam?Die Wandlung hat im Lauf des Sommers sich vollziehenmüssen. Die Naturgeschichte der Staatsgeschäfte belehrtuns, daß diese umgekehrt zum Dachs und ähnlichen Ge-schöpfen ihren periodischen Schlaf in der heißen Jahreszeitabhalten. Während die Politik ihren Sommerschlaf hält,pflegen die Staatsmänner zur Stärkung ihrer Nerven insGebirge zu wandern. Die zu München angesessenen —ob nun von sich selbst oder auch von Andern Rat nehmend,wie behauptet wird — hatten indessen Zeit, auszurechnen,wie hoch sie ihren Verzicht auf die Reichsbank an denMeistbietenden versilbern könnten, und im Spütjahr er-schien Bayern in Berlin , versöhnt mit dem Wegfall derReichsbank und getröstet erstens durch das Angebot einerneuen, selbst in den Versailler Vertrügen nicht vorgesehenenbayrischen Gebietsabtrennung vom übrigen Reiche, zweitens miteiner Vermehrung seiner Berechtigung zur Banknotenausgabe